Die Börsen sind im Sturzflug. Die Produktion kommt zum Stillstand. Viele Sektoren verzeichnen die grössten Einbrüche der Geschichte – abgesehen von Kriegssituationen. Die Coronavirus-Pandemie wird über Jahre tiefe ökonomische, soziale und politische Folgen haben, die weit über die unmittelbaren Auswirkungen des Virus hinausgehen.

Die Weltwirtschaft wird in eine langanhaltende Krise fallen, ähnlich den 1930er Jahren. Die Bürgerlichen werden alles tun, um es so aussehen zu lassen, als wäre die Pandemie die Ursache dieser Krise. Sie ist jedoch nur ein Auslöser, der seine welthistorische Bedeutung alleine dadurch erhält, dass die Pandemie auf einen Kapitalismus in seiner «organischen Krise» trifft.

Kapitalismus in der Risikogruppe

Der Vergleich drängt sich auf: Der Kapitalismus ist in der «Risikogruppe». Er leidet an unzähligen Vorerkrankungen, die sich über die letzten Jahre und Jahrzehnte angehäuft haben. Er weist all die typischen Schwächen eines greisen Organismus auf, der sich bereits seit geraumer Zeit im langsamen Sterben befindet. Schon vor der Pandemie zeichnete sich eine Rezession ab und wir Marxisten haben immer betont, dass ein scheinbar zufälliger Auslöser reicht, um einen neuen tiefen Einbruch einzuleiten. 

Mit der letzten grossen Krise 2008 wurde der schlechte Gesundheitszustand des Kapitalismus manifest. Seither wurde kein einziges Problem gelöst, im Gegenteil. Das System wurde mit Medikamenten vollgepumpt, die zwar die Symptome linderten. Aber die Medikamente wurden einerseits im Verlauf der Behandlung immer wirkungsloser, andererseits griffen sie den beschädigten Organismus in erheblichem Masse noch weiter an. Ökonomisch hat die Ausweitung des Kredits zu den höchsten Schuldenbergen der Geschichte geführt (322% des globalen BIP). Sozial haben die Jahre der Sparpolitik die meisten Lohnabhängigen bereits an ihre Existenzgrenze gedrängt. Politisch haben diese Angriffe auf die Lohnabhängigen zu einem immer grösseren Legitimitätsverlust der Regierenden und einer breiten Radikalisierung der Arbeiterklasse geführt, die insbesondere im Jahr 2019 weltweit in Massenbewegungen ihre Stärke zu fühlen begonnen hat. Das alles hat die Fähigkeit der Kapitalisten und ihrer Regierungen, mit einer neuen Krise umzugehen, bedeutend vermindert.

Was wir hier gerade erleben ist deshalb nicht bloss eine Klammer in der geschichtlichen Entwicklung, nach der alles wieder mehr oder weniger weiterlaufen wird wie vorher. Wir treten in eine neue Phase in der Weltgeschichte ein, die geprägt sein wird von politischer Instabilität und von Klassenkampf in einer Intensität, die alles in den Schatten stellen wird, was die lebenden Generationen kennen.

Die kommenden Klassenkämpfe

Wir werden Massenarbeitslosigkeit sehen, wir werden eine ganze Reihe Firmenbankrotte sehen, wir werden Finanzkrisen sehen, weil die ganzen in den letzten Jahren angehäuften faulen Schulden (insbesondere der Unternehmen) nicht bezahlt werden können. Die Staaten werden alles tun, ja sie tun bereits alles, um die wichtigsten Unternehmen zu retten. Es werden Unsummen ausgegeben und in die Wirtschaft gepumpt werden; in einer Situation, in der die Staatsschulden in den meisten Ländern ohnehin schon auf einem Allzeithoch sind.

Irgendjemand wird dafür zur Kasse gebeten werden – und es ist klar, dass das nach Meinung der Herrschenden die Arbeiterklasse ist. Doch das wird nicht kampflos geschehen. Die ArbeiterInnen und Unterdrückten beginnen bereits hier und heute, zunehmend ihr Gewicht in die Waagschale des Klassenkampfes zu werfen. Wir sehen in verschiedenen Ländern, wie die ArbeiterInnen streiken und sich organisieren, weil sie nicht bereit sind, für die Profite der Bosse ihre eigene und die Gesundheit ihrer Mitmenschen zu riskieren.

Diese Ereignisse sind die Hammerschläge aufs Bewusstsein der Unterdrückten, die alle Menschen zwingen, sich fundamentale Fragen über ihr Leben und ihre Arbeit zu stellen: Was sind wir wert? Warum setzt der Chef die Profitinteressen über Menschenleben? Auf wessen Seite steht die Regierung? Die Krise zeigt, wer die wirkliche Stütze der Gesellschaft ist. Sie zeigt, wer wirklich den ganzen Reichtum erschafft. Sie zeigt, dass niemand CEOs und Aktionäre braucht. Sie zeigt, dass die Lohnabhängigen selbst am fähigsten sind, ihr Leben in der Krise zu organisieren.

Diese Arbeiterklasse wird nicht bereit sein, gebückten Hauptes die Rechnung zu übernehmen, die ihr aufgetischt werden wird. Mit einem neuen Selbstvertrauen, dass sie es war, die Leben rettete und die Gesellschaft in schwersten Zeiten am Laufen hielt, wird sie in die Offensive gehen. Diese Arbeiterklasse drängt intuitiv in die Richtung der Ideen, die wir Marxisten seit langem propagieren, weil es ihre eigenen Ideen sind: die Ideen einer selbstbewussten Arbeiterklasse, die die Bühne der Geschichte betritt.

Für die Redaktion
Martin Kohler


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