Vor einem Streik aller SchülerInnen und ArbeiterInnen würde das Kapital erzittern. Das ist notwendig, denn der Kapitalismus ist für die Klimakrise verantwortlich. Doch wie kommen wir zum Klima-Generalstreik 2020?

Wir unterstützen die Initiative für einen Klima-Generalstreik voll und ganz. Es sind die Lohnabhängigen, welche Tag für Tag in den Büros, Fabriken und Geschäften arbeiten und somit den ganzen Reichtum erschaffen, welcher aber von einer kleinen Minderheit an Kapitalisten angeeignet wird. Die 300 reichsten Schweizer besitzen 675 Milliarden Franken, das ist fast gleich viel wie der Gesamtwert, der jährlich von der Schweizer Wirtschaft produziert wird! Legen wir Lohnabhängigen unsere Arbeit koordiniert nieder, legen wir damit den Hebel am wahren Ursprung aller Übel an: Es sind die Grosskonzerne, die Banken und die grossen Verteilerketten, welche für die überwältigende Mehrheit der CO2-Emissionen verantwortlich sind. Schon nur die Schweizer Zementfirma Lafarge-Holcim stösst jährlich vier Mal mehr CO2 aus als die ganze Schweizer Bevölkerung! Das bürgerliche Parlament und der Bundesrat werden diese Konzerne niemals in die Pflicht nehmen. Die Lohnabhängigen dieser Firmen sind hingegen als einzige dazu in der Lage, ökologische Standards in ihren Betrieben durchzusetzen: nämlich mit dem Druckmittel des Streiks.

Ein sozialistisches Programm!

Ein Generalstreik ist ein hochgestecktes Ziel, gerade in der Schweiz, wo es kaum eine Streiktradition gibt. Aber auch wenn wir es nicht schaffen, alle oder schon nur die Mehrheit der ArbeiterInnen zum Streik zu bewegen, so bleibt ein Generalstreik dennoch ein Ziel, an dem wir uns ausrichten müssen. Denn nur durch eine entschlossene Mobilisierung überzeugen wir die Lohnabhängigen, dass wir gewinnen können! 

Gründe zum Streiken sind mehr als genug da: Neben der drohenden Klimakatastrophe stagnieren seit Jahren die Löhne, während die Arbeitszeiten, genau wie die Mieten und die Lebenshaltungskosten, steigen. Die genau gleichen Kapitalisten, die für den Klimawandel verantwortlich sind, greifen zunehmend Löhne und Arbeitsbedingungen an!  Wollen wir den Kampf gegen den Klimawandel mit dem Kampf für bessere Arbeitsbedingungen verbinden, brauchen wir ein sozialistisches Programm. Ein solches Programm verteidigt “der Funke” in der Klimabewegung.

Ökologische Standards, gute Löhne und Arbeitsbedingungen können z.B. nur nachhaltig gesichert werden, wenn wir Lohnabhängigen für die demokratische Kontrolle in den Betrieben kämpfen. Durch Einsicht in die Geschäftsbücher und Vetorecht auf Entlassungen oder Entscheide, welche die Löhne oder die Arbeitsbedingungen, und eben auch die ökologische Nachhaltigkeit der Produktion betreffen, können wir beide Probleme im gleichen Atemzug angehen. Mit diesen Forderungen bieten wir also den ArbeiterInnen ein Programm, wofür es sich zu kämpfen lohnt.

Die Rolle der Gewerkschaften und Streikkomitees

Es ist klar: Die ArbeiterInnen zum Streiken zu bewegen ist nichts Leichtes. Die Chefs drohen mit Entlassungen oder Lohnausfall. Das einzige Gegenmittel zu diesen Einschüchterungsversuchen ist ein kühnes, kämpferisches Programm und eine entschlossene Mobilisierung. Die Bosse sitzen nur solange bequem im Sattel, wie sie uns gegeneinander ausspielen und spalten können. Stehen wir zusammen, verpuffen ihre Drohungen. Dazu müssen in den wichtigsten Industriezweigen und allen grossen Betrieben Streikkomitees aufgebaut werden.

Es ist ein wichtiger Schritt, dass die Klimabewegung den Kontakt mit der Gewerkschaftsführung aufgenommen hat, doch wir müssen noch weiter gehen: Wir brauchen vor allem die Unterstützung und den Rückhalt in der Gewerkschaftsbasis, bei den Lohnabhängigen selbst. Diese müssen wir in den Mitglieder- und Sektionsversammlungen von einem sozialistischen Programm gegen Klimawandel und für bessere Arbeitsbedingungen überzeugen. Mit ihnen bilden wir die Grundlage für den Aufbau von Streikkomitees in den Betrieben.

Die Mobilisierung für den Frauenstreik hat gezeigt, dass am 14. Juni schlussendlich dort effektive Streiks stattgefunden und  Verbesserungen erkämpft wurden, wo die Gewerkschaften oder die Streikkomitees über eine lange Periode hinweg eine kontinuierliche Präsenz aufgebaut haben und die Angestellten Schritt für Schritt von einem Streik überzeugen konnten. So etwa in Luzern, wo Reinigungsangestellte einen Schichtstreik durchführten und damit prompt die Vergütung von Reisekosten und eine verbesserte Überstundenregelung erkämpften. Oder in Zürich, wo die Gruppe “Trotzphase” zusammen mit der Gewerkschaft über längere Zeit die Kita-Mitarbeiterinnen organisiert hat, so dass dieser Sektor am Frauenstreik beispielhaft mobilisieren konnte.

Selbstorganisation und Machtfrage

Die Streikkomitees sind aber nicht nur ein reines Mobilisierungs-Instrument: Sie müssen die Zellen der Streikbewegung werden. Durch die Komitees können die ArbeiterInnen Forderungen an ihre Betriebe ausarbeiten und somit beginnen, die Kontrolle über die ökologischen Standards sowie ihre Arbeitsbedingungen zu gewinnen. Damit entreissen sie den Kapitalisten bereits ein Stück Macht im Betrieb und beginnen in Ansätzen, die Kontrolle über die Produktion zu übernehmen. Dieser Kampf wird allerdings direkt die Macht des Kapitals herausfordern. Die Vergesellschaftung der grössten Unternehmen unter demokratischer Kontrolle ist deshalb eine unausweichliche Forderung – wir können nicht kontrollieren, was wir nicht besitzen! 

Auch ein Generalstreik macht letztendlich nichts anderes, als die Frage zu stellen, wer denn die tatsächliche Macht in dieser Gesellschaft hat: Die Kapitalisten oder wir Lohnabhängigen? Die Frage kann durch den Streik aber nur gestellt, und noch nicht gelöst werden. Dazu braucht es eine revolutionäre sozialistische Kraft der Lohnabhängigen, welche in der Lage ist, die politische Macht zu erobern. Wir als Funke haben uns zum Ziel gesetzt, dieses sozialistische Programm in der ArbeiterInnenbewegung und unter den Klimastreikenden zu verbreiten. Wir sind aber noch zu klein, um eine Mehrheit der Lohnabhängigen davon überzeugen zu können. Wenn du mit uns einverstanden bist, hilf uns dabei, unsere Organisation aufzubauen! Dies ist der einzige Weg, den Schrecken und die Verwüstung, welche der Kapitalismus Mensch und Planet antut, ein für alle Mal zu beseitigen!

Julian Scherler
JUSO Stadt Bern

Bild: Instagram @shots.by.luca

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