Nach langer Abwesenheit der Klimastreikbewegung fanden letzten Freitag in der Schweiz wieder Klimastreik-Kundgebungen statt. In Bern gingen, trotz Corona, um die 600 Klimastreikende auf die Strasse.

Wie gewohnt zog sich die demonstrierende Masse durch alle Altersschichten. Studis, RentnerInnen, Familien mit Kleinkindern, ArbeiterInnen, alle waren beteiligt. Aber die auffällige Mehrheit bildeten wieder die Schüler und Schülerinnen. Mit buntbemalten Transparenten, kreativen Schildern und farbenfrohen Masken gab die Kundgebung ein fast gewohntes Bild ab.

Obwohl die Demo nicht annähernd die Grösse der Kundgebungen des letzten Herbstes hatte, war die Stimmung gerade bei der Jugend kämpferischer. Nachdem die Streikenden nun ein halbes Jahr coronabedingt nicht demonstrieren konnten und gleichzeitig das bürgerliche Parlament keinen Schritt in Richtung einer klimafreundlicheren Politik tat, wurden die so brennenden Forderungen nach sofortigen Massnahmen in der Politik endlich wieder laut und deutlich in den Parolen der Klimajugend ausgedrückt. Im Kontrast zu dieser energiegeladenen und kämpferischen Stimmung standen die Reden der KlimastreikorganisatorInnen. Diese richteten sich zwar bemerkenswerterweise nicht nur auf die Klimakrise, sondern mit den Redebeiträgen aus dem Frauenstreik und der Black Lives Matter-Bewegung auch gegen Sexismus und Rassismus. Allerdings riefen die OrganisatorInnen mit der kommenden Aktionswoche des Klimastreiks nur zum «Zivilen Ungehorsam» auf, um «Druck auf das Parlament auszuüben». Für viele der DemonstrantInnen ging dies zu wenig weit, was sich in den antikapitalistisch geprägten Parolen im unbewilligten Demozug vom Waisenhausplatz zur Reitschule lautstark zeigte.

Auch in den Gesprächen, die wir mit den Demonstrierenden führen konnten, zeigten sich die Teilenehmenden sehr offen für revolutionäre Ideen. Auf die Frage: «Wie glaubst du, können wir die Klimakrise verhindern?» wurde zwar mit vielen verschiedenen Lösungsansätzen wie zum Beispiel mit ethischem Konsum oder dem «Zivilen Ungehorsam» geantwortet, aber für viele war klar, dass die Klimakrise im Kapitalismus nicht gelöst werden kann. Dass eine gesamtgesellschaftliche Revolution, welche die systematische Ausbeutung von Mensch und Natur beendet, unabdingbar und notwendig ist, war gerade für viele der Jugendlichen im Protestzug eine logische Schlussfolgerung.

Der Demozug löste sich bei der Reitschule auf. Die Parolen und Gesänge der Klimastreikenden verhallten. Doch an diesem Freitagabend wurde seit langem wieder einmal die Wut auf die zerstörende und unfähige Politik des Parlaments, das Verlangen nach Veränderung und der Ruf nach einer sozialeren, klimafreundlicheren Gesellschaft auf die Strassen von Bern getragen.

Moritz A. Juso Stadt Bern

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