Nach der ersten nationalen Demonstration am 24. März in Bern stellen sich die Fragen, wie es mit der Studierendenbewegung weitergehen wird und was wir aus ihr lernen können.

Im Laufe des letzten Jahres waren zahlreiche Schweizer Universitäten und Kantonsschulen von  Sparmassnahmen betroffen. Die Leitungen der Bildungsinstitutionen versuchten sofort, diese auf die Studierenden und Angestellten abzuwälzen: einerseits durch Erhöhungen der Studiengebühren und andererseits durch Angriffe auf ihre Arbeitsbedingungen.

Von Genf bis Basel
Bereits ein Jahr zuvor gaben die Studierenden der Uni Genf mit ihrer Rektoratsbesetzung einen kleinen Vorgeschmack auf die bevorstehenden Kämpfe an den anderen Unis. In Basel und Fribourg wurden, nachdem Ende September bzw. Mitte Oktober die Erhöhung der Studiengebühren bekannt gegeben worden waren, sofort Vollversammlungen einberufen. In Bern und an beiden ETHs kam es zu keinen Versammlungen der Studierenden; dennoch fanden in Zürich und Bern Demonstrationen statt.

Gemeinsamer Kampf?! Eine Notwendigkeit!
Ende November folgte durch die nationale Vernetzung der Kämpfe der nächste Schritt im Widerstand gegen die Kürzungen in der Bildung. Diese Verbindung war notwendig, denn der Grund für die Angriffe auf die Studierenden war und ist überall derselbe: die Abwälzung der Krise auf die Studierenden und Arbeitenden. Nach einer Woche voller Aktionen an allen betroffenen Unis folgte die erste nationale Demonstration am 24. März in Bern. Über 1000 Demonstrierende versammelten sich auf dem Bundesplatz, um gemeinsam gegen die Angriffe auf unsere Bildung zu protestieren. Trotz der kämpferischen und antikapitalistischen Reden wurde klar, dass sich langsam Müdigkeit und eine gewisse Resignation in der Bewegung abzeichneten. Diese Bewegung ist deshalb wohl bis auf weiteres beendet, was man momentan an der niedrigen Teilnehmerzahl von Studierenden an den Versammlungen erkennen kann.

Unser Kampf gilt dem Kapitalismus
Auch wenn die Bewegung vorläufig abflacht, bedeutet dies nicht ihr definitives Ende. Der Kampf begann als wir direkt angegriffen wurden. Die Sparmassnahmen waren an jeder betroffenen Uni die Konsequenz von Steuersenkungen für das „eine Prozent“. Für die in der Krise unter Konkurrenzdruck stehenden KapitalistInnen waren und sind diese Senkungen nötig, um auf dem „freien Markt“ ihre Profite zu sichern. Genau weil der Staat auf nationaler Ebene für verbesserte Profitbedingungen auf unsere Kosten sorgt, müssen auch die einzelnen Widerstände an den Unis auf nationaler Ebene zusammengeführt werden. Dadurch, dass Krisen dem Kapitalismus inhärent sind, werden erneut Angriffe auf unsere Bildung stattfinden. Somit werden auch erneut Kämpfe an den Unis stattfinden.

Vollversammlungen als Kampfmittel
Es ist nun an der Zeit, Schlüsse aus dieser Bewegung zu ziehen. Die Studierenden hatten sich durch ihre eigenen Erfahrungen radikalisiert und kamen so zum Schluss, dass dieser Kampf nicht durch nette Briefe an die Uni-Leitungen gewonnen werden kann. Der Entscheid über Kürzungen im Bildungsbudget treffen RektorInnen und PolitikerInnen eben nicht, weil sie „böse oder dumm“ sind , sondern weil sie in der Krise die Profite der KapitalistInnen zu sichern versuchen.
Basel und Fribourg haben gezeigt, welche Durchschlagskraft eine Bewegung haben kann, wenn sie durch Vollversammlungen demokratisch legitimiert ist. Die Versammlungen bilden eine Plattform für Studierende, sich in die Bewegung einzubinden, aber auch um demokratische Aktionen zu planen, welche so möglichst breit abgestützt sind.

Organisieren wir uns!
Die Angriffe des Kapitals auf die Bildung treffen aber auch die Angestellten des Mittelbaus an den Unis. Ein Kampf gegen diese Angriffe bedeutet also die Vereinigung der Studierenden und der Arbeitenden. Die britischen Unis zeigen den Weg. Dort hat diese Vereinigung über Wochen gegen die Rentenreform gestreikt. Auch in den USA und in Frankreich gibt es gerade riesige Bewegungen der Studierenden bzw. der Arbeitenden im Bildungssektor. Die gemachten Erfahrungen dürfen aber nicht im Nichts versanden, sondern müssen gesammelt werden, sodass sie im weiteren Kampf für die Überwindung des Kapitalismus zum Einsatz kommen. Hilf uns beim Aufbau des Sozialismus!

Sebastián Eisenring
JUSO Stadt Zürich

 

Bilder: Aktion_Bildung

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