Funke-UnterstützerInnen berichten von den Klimademos von letztem Samstag.

Klima Streik Basel
Am Samstag dem 2.Februar zogen über 4000 meist junge Menschen durch die Basler Innenstadt. Ausgerüstet mit kreativ bemalten Schildern und Transparenten brachten sie so ihre Wut gegen die herrschenden Zustände in der Klimapolitik auf die Strasse.

Altersmäßig war am Barfüßerplatz, dem Startpunkt der Demonstration, jede Generationen dabei: Eltern mit ihren Kindern, Pensionierte, ArbeiterInnen, und StudentInnen. Den mit Abstand größten Teil machten aber die jungen SchülerInnen aus. Nach einigen Redebeiträgen über eine leider viel zu leise Anlage setzte sich der lange Demonstrationszug durch die Innenstadt in Bewegung und legte dort den Verkehr für mehrere Stunden lahm. Dies ist bemerkenswert, da die Polizei seit einiger Zeit Demonstrationen an Samstagen in der Innenstadt nicht erlaubt hat, wie letztes Jahr beim March against Syngenta und Monsanto. Dass es eine laute und eindrucksvolle Demo wurde, lag vor allem an den SchülerInnen, die dem Protestmarsch mit ihrem Enthusiasmus zu so viel Energie und Radikalität verholfen haben. Aber es liegt auch an der Krise des Kapitalismus selbst und seiner Unfähigkeit einen Ausweg aus der Klimakatastrophe zu finden, warum sich mehr und mehr Jugendliche radikalisieren. Jedes Jahr treffen sich die mächtigsten Politiker auf dem Klimagipfel und parallel dazu beschleunigt sich die Zerstörung der Umwelt und der Atmosphäre jedes Jahr noch heftiger. Ein Schüler erhielt grossen Beifall bei seiner Rede, als er sagte, dass wir kein Sprachrohr von oben brauchen, sondern dass wir uns selber Gehör verschaffen werden und zusammen handeln müssen.

Für viele der Teilnehmenden war klar, dass, wenn es über längere Zeit so weitergeht wie bisher, wird das heutige System für die Existenz von Natur und Mensch zur grössten Gefahr. Die Ideen auf der Demo, wie man am besten gegen Klimawandel und Umweltzerstörung kämpft, waren so bunt und zahlreich wie die Demoschilder. Von zero-waste, vegan leben und Flugverzicht als individuelle Mittel bis zu system-change-Lösungen, die nur mit einem gemeinsamen Kampf erreicht werden können. Das heisst, die blinde, zerstörerische Marktwirtschaft überwinden und eine demokratisch geplante Wirtschaft für Mensch und Natur aufbauen.

Dadurch, dass die Menschen sich am Klimastreik praktisch selbstständig organisiert haben, konnten wir mit vielen TeilnehmerInnen ehrliche, offene Diskussionen führen. Die brennenden Fragen, die sich in den Diskussionen stellten waren: Was bedeutet “system change”? Wie können wir gemeinsam Forderungen diskutieren und aufstellen? Wie können wir uns mit den vielen anderen Streikenden im Land längerfristig vernetzen?

Um diese Krise zu lösen und als Bewegung etwas zu erreichen, braucht es ein politisches Programm. Denn die Klimafrage ist eine gesellschaftliche, globale Frage, die alle betrifft. Deswegen kann es auch nur Lösungen auf gesellschaftlicher Ebene geben. Warum soll sich jede und jeder als Individuum entscheiden müssen, ob man sich umweltbelastende Produkte kauft oder für einen umweltschädigenden Konzern arbeiten muss, weil die Person sich vielleicht kein BIO leisten kann oder nicht in Armut versinken will? Wenn wir selber die Produktion planen für die Menschen und für die Natur, wird es solche Entscheidungen auch nicht mehr geben müssen.

Die Demonstration endete auf dem Messeplatz. Nach mehrmaligem Singen einer selbst gedichteten Songs auf der Melodie des Partisanenlieds “Bella Ciao” wurden zum Abschluss noch mehrere Ansprachen gehalten und auf das erste Diskussionstreffen des Basler Klimastreiks am Nachmittag des 16. Februars an der Uni Basel aufmerksam gemacht. Eine Schicht von Jugendlichen hat bereits radikale Schlussfolgerungen gezogen. Sprachen wir in Diskussionen eine Revolution als Schritt zur Lösung der Klimakrise an, sagten sie “Ja klar!”. Soll diese erfolgreich sein, müssen wir in der Schweiz und international eine revolutionäre Organisation aufbauen. Und – wie es etwa in dem Demolied heisst – we need to do it now now now!

Klimademo Bern Minibericht 2.2.19
In Bern füllte sich gegen 13 Uhr der Waisenhausplatz stetig auf. Anfangs mehrheitlich junge SchülerInnen bestand die von der Klimastreikbewegung organisierte Kundgebung schlussendlich aus einer bunten Mischung aus SchülerInnen, Studis, Familien und RentnerInnen. Trotz den kühlen Temperaturen haben etwa 4000 Demonstrierende die Kundgebung praktisch überlaufen. Viele mussten sogar auf die angrenzenden Strassen ausweichen. Diese heterogene Zusammensetzung und bedeutende Mobilisation der Teilnehmenden zeigt, dass nicht nur die SchülerInnen die Dringlichkeit der Klimakrise erkannt haben.

Wie die Zusammensetzung der Menschenmasse verschiedenartig war, waren auch ihre politischen Parolen. Auch wenn einen Grossteil der Redebeiträge und Plakate sich bloss auf den ethischen Konsum und verschiedene Umweltsteuern beschränkt haben, war auch eine laute Minderheit – fast ausschliesslich aus SchülerInnen bestehend – bewusst, dass nur einen Systemwechsel den Schicksal unseres Planeten retten kann. Zu dem standen auch die von der Nationalversammlung im Dezember gefassten Forderungen der Bewegung im Zentrum des politischen Diskurses.

Die Kundgebung hatte eine eher feierliche als kämpferische Stimmung. Man freut sich also schon, über die spontane Bewegung der SchülerInnen, die die verschlafene Linke der Schweiz aufrütteln soll. Dennoch brachte man den Platz ins Beben als die TeilnehmerInnen an den Schultern fassten, hüften und sangen: „“On est plus chauds, plus chauds, plus chauds que le climat!“. Nach einer mit Redebeiträgen gepackten Stunde auf dem Versammlungsplatz sind etwa 1000 Demonstrierende auf eine spontane Demo lautstark durch die Stadt gezogen.

Rapport Manifestation pour le Climat 2 Février 2019, Genève
Le 2 Février s’est tenu dans 16 villes de Suisse l’acte II du Mouvement pour la grève du climat avec la première manifestation ouverte aux non-étudiants. A Genève, 4’000 personnes ont défilé entre Cornavin et la Place Neuve dans une ambiance bonne enfant mais finalement assez combative. A la fin plusieurs prises de paroles ont eu lieu, dont une par des sympathisants de la tendance marxiste l’étincelle qui ont voulu rappeler que cette crise climatique est une crise du système capitaliste. Celle-ci ne peut donc qu’être réglée par des mesures globales de réductions de la pollution imposées par les travailleur.euse.s aux capitalistes, et donc que par le dépassement du système. Ce discours a très bien été reçu par les manifestants et s’est terminé alors que la foule scandait « anticapitalistes ». Ainsi, la suite du mouvement se profile bien, bien qu’il reste un grand écueil à surmonter : le manque de travailleur.euse.s dans la manifestation. Ce problème promet de belles discussions dans la prochaine Assemblée du mouvement, qui devra trouver un plan effectif pour tirer les syndicats aux côtés des étudiant.e.s.

Klimademonstrationsbericht 2. Februar 2019, Genf
Am 2. Februar fand der zweite Akt der Klimastreikbewegung in 16 Städten der Schweiz statt. Die Demonstration war zum ersten Mal offen für Nichtstudenten. In Genf marschierten 4.000 Menschen in einer gutmütigen, aber letztlich recht kämpferischen Atmosphäre zwischen Cornavin und Place Neuve. Am Ende fanden mehrere Reden statt, darunter eine von Sympathisanten der marxistischen Strömung Der Funke, die daran erinnern wollten, dass diese Klimakrise eine Krise des kapitalistischen Systems ist. Die Klimakrise kann nur durch globale Maßnahmen, die von den Arbeitern den Kapitalisten auferlegt werden, zur Verringerung der Umweltverschmutzung gelöst werden und daher nur durch die Überwindung des Systems. Diese Rede wurde von den Demonstranten sehr gut aufgenommen und endete mit dem Gesang der Menge „A, anti, anti-capitalista!“. So ist der Rest der Bewegung auf einem guten Weg, obwohl es noch eine große Hürde zu überwinden gilt: der Mangel an Arbeitenden an den Demonstrationen. Dieses Problem verspricht gute Diskussionen in der nächsten Vollversammlung der Bewegung, die einen effektiven Plan finden muss, um die Gewerkschaften an die Seite der Studierenden zu ziehen.

Klimademo in Zürich 02.02.2019
Heute um 14:00 versammelten sich ca. 10’000 DemostrantInnen beim Helvetiaplatz um für den Klimaschutz zu demonstrieren. Die grosse Demo ging über den Hauptbahnhof bis zum Bürkliplatz. Es demostrierten kleine Kinder, viele SchülerInnen, StudentInnen, ArbeiterInnen und Pensionierte mit. Die Stimmung war kämpferisch, denn für die DemonstrantInnen war klar, dass jetzt gehandelt werden muss. Die Slogans waren von „Wem sini Zuekunft? Eusi Zuekunft!“ über „What do we want? Climats justice. When do we want it? Now!“ zu „System change not climats change!“ sehr breit gefächert. Das gleiche zeigt sich auch in den Gesprächen; so appellierten einige DemonstrantInnen an die PolitikerInnen und fordern sie auf das Klima zu schützen. Andere DemonstrantInnen dagegen sind der Meinung, dass dies ein Problem des Systems ist. Auch wir vom Funken intervenierten mit unserer Zeitung an der Demo.

 

Credit: Fotos Nr. 3 stammt von der Facebookseite von Klimasstreik Schweiz.

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