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m Montag, dem 14.12.2015, fand die vierte Veranstaltung unserer „Perspektiven-Veranstaltungsreihe“ an der Universität Basel statt. „Von Cizre bis Rojava – der Kampf der KurdInnen um ihre Freiheit geht weiter“ lautete der Titel des Referates, welches von Sarah-Sophia Varela gehalten wurde. Ein Bericht von Lina B. aus Basel-Stadt.

Der Raum, in welchem die Veranstaltung stattfand, war gut gefüllt. Ca. 30 Personen waren anwesend, darunter auch GenossInnen aus Österreich. Das Referat drehte sich um die verschiedenen Ansätze, was zur Lösung der KurdInnen-Unterdrückung im Nahen Osten getan werden muss. Als zentrales Beispiel wurde Rojava (kurdisches Gebiet in Nordsyrien) angeschaut, wo der Aufstand koordiniert und politisch angeführt wurde von der PYD, der Partei der demokratischen Union Kurdistans. Unter ihrer Führung wurde der veraltete Staatsapparat Assads in Nordsyrien zerschlagen und durch demokratische Gremien ersetzt, die auf lokaler Ebene vom bewaffneten Volk getragen werden. Der Gesellschaftsvertrag als Verfassung der Volksräte garantiert das gesellschaftliche Eigentum an Grund und Boden, die absolute Gleichstellung der Geschlechter, die Abschaffung der Todesstrafe und der Folter, das Recht auf freie Meinungsäusserung, sowie die Presse- und Religionsfreiheit. IMG-20151214-WA0006_2

Wie können diese fortschrittlichen Errungenschaften bewahrt werden? Auch diese Frage wurde im Referat gestellt und von Sarah-Sophia wie folgt zusammengefasst: „Rojava kann nur überleben, wenn Assad und die syrische herrschende Klasse, Erdogan und die türkische herrschende Klasse gestürzt werden.“

Als weiteres eindrückliches Beispiel wurde die HDP in der Türkei angeschaut. Im letzten Jahr ist die kurdische Linke und die demokratische Bewegung zum größten Hindernis in der Durchsetzung von Erdogans eigenen Plänen geworden. Der Aufstieg der HDP war möglich, weil sie es schaffte, mit einem radikalen Programm am wachsenden Klassenkampf und der Unzufriedenheit unter türkischen Jugendlichen und ArbeiterInnen anzudocken. Mit ihrem Erfolg durchkreuzten sie Erdogans Plan, die Verfassung zu ändern, um noch mehr Macht in seinen Händen zu konzentrieren. Sein Versuch, anti-kurdische Ressentiments zu wecken, ist ein Versuch, die türkische und kurdische ArbeiterInnenklasse zu spalten, um den wachsenden Widerstand gegen sein Regime zu schwächen.
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Dass unsere Veranstaltung ein extrem aktuelles Thema behandelte, zeigt sich täglich bei brutalen Angriffen auf KurdInnen seitens der Türkei. Die DBP, die grösste Organisation der HDP, reagiert mit dem Aufruf zu Massenmobilisierungen. Der Funke und die Internationale Marxistische Strömung (IMT, www.marxist.com) unterstützen den Massenwiderstand der KurdInnen gegen den barbarischen Krieg des Erdogan-Regimes aus vollstem Herzen. Wir rufen unsere UnterstützerInnen dazu auf, diese Frage in ihren Organisationen, Gewerkschaften, an ihren Schulen und Arbeitsplätzen zu thematisieren und Resolutionen in Unterstützung des kurdischen Kampfes einzubringen, sowie Proteste und Demonstrationen zu organisieren und daran teilzunehmen mit dem Aufruf:

Nieder mit Erdogans Krieg gegen die KurdInnen!

Nieder mit der Regierung der Mörder und Diebe!

Nieder mit Rassismus und Nationalismus!

Ein Angriff auf einen ist ein Angriff auf alle – ArbeiterInnen aller Länder, vereinigt euch!

Nun war noch die Frage offen, was man denn tun kann. Was ist unsere Aufgabe?
Es ist klar, dass der Westen mitspielt. Hauptsächlich die EU unterstützt Erdogan direkt mit 3 Mia. Euro finanzieller Hilfe (um das „Flüchtlingsproblem zu lösen“) und sogar indem sie ihm einen EU Beitritt zur Option stellen. Die Rolle der EU zeigt uns wieder einmal, wie schnell Menschenrechte vergessen gehen, sobald ihre eigenen Interessen dafür durchgesetzt werden können.
Das Schweizer Waffenexport-Gesetz, Diktatorengelder auf Schweizer Banken usw. zeigen, dass auch die Schweiz ihre Hände im schmutzigen Spiel der imperialistischen Interventionen mit drin hat. Auch hier müssen wir gegen die Herrschenden kämpfen. Da der Nahe Osten nicht unabhängig ist, wird eine sozialistische Lösung im Westen gebraucht. Denn das momentane Chaos und die Barbarei sind überhaupt erst entstanden durch die Intervention der westlichen Mächte. Sarah-Sophia Varela schloss das Referat mit der Aussage: „Die Zukunft der KurdInnen ist unweigerlich mit unserer Zukunft verknüpft.“

Solidarität wurde auch in der Pause gezeigt, als noch ein Solifoto für die brasilianische SchülerInnen- und Studenten-Bewegung gemacht wurde. So wollten wir den mutigen Kampf der Jugend Brasiliens unterstützen und zeigen, dass wir den Kampf gegen die Sparmassnahmen und die Angriffe auf den Lebensstandard auf der ganzen Welt vereint führen.

Die Diskussion wurde mit der Frage, was können wir in der Schweiz jetzt machen eröffnet. Wie sollen wir mit der vorhandenen Situation umgehen? Diese Frage konnte in der Diskussion nicht abschliessend beantwortet werden. Es fand jedoch eine emotionale und interessante Diskussion statt. Die vierte Veranstaltung unserer „Perspektiven- Reihe“ war also sehr ausschlussreich und spannend. Danach ging es zu einem Solidarität-Sit-In vor dem Bahnhof, welches vom Kurdischen Kulturverein organisiert worden war.

Anfang 2016 wird die fünfte und letzte Veranstaltung unsere Veranstaltungsreihe stattfinden. Sie wird sich mit den politischen Perspektiven der Schweiz befassen. Für mehr Infos einfach den Newletter abonnieren.

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