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n Pakistan begann am 26. Januar dieses Jahres ein Streik der ArbeiterInnen der Fluglinie Pakistan International Airlines (PIA). Die Angestellten kämpfen gegen die Privatisierung, welche durch ein neues Gesetz am 21. Januar 2016 möglich geworden ist. Der Pakistanische Staat hat bereits mit der Turkish Airlines begonnen Gespräche über einen Verkauf zu führen. Ausserdem fordern die ArbeiterInnen den Rücktritt des korrupten Geschäftsführers, welchen sie für die bisher erfolgten Verhandlungen verantwortlich machen.

Den Streikenden wurde bereits zu Beginn des Streiks mit starker Repression des Staates geantwortet und sogar angekündigte Entlassungen konnten sie von ihrem Kampf gegen die Privatisierung nicht abbringen. Zahlreiche weitere Bemühungen, die Streikenden zu zermürben, wurden unternommen. So wollte die zurzeit herrschende Partei von Präsident Sadari die Gewerkschaften spalten und damit ihre Kampfkraft schmälern. Unter Anderem wurden nur die führenden Personen der Gewerkschaft Peolpe’s Unity of PIA (PPP) verhaftet – ohne dass irgendjemand wusste, wo sie waren und was mit ihnen geschehen würde – während gegen die Gewerkschaft Air League fast nichts unternommen wurde. Auf diese Weise wurden zwischen den verschiedenen Teilen der Fluggesellschaft (Piloten, Bodenbetrieb etc.) Gräben geschlagen, sodass der Flugbetrieb an einigen Flughäfen kurzzeitig wieder aufgenommen wurde. Die dafür verantwortlichen Provokateure wurden aber nach kurzer Zeit von den Streikenden in die Flucht geschlagen.

Während den acht Tagen des Streiks wurden drei ArbeiterInnen erschossen und duzende teilweise schwer verletzt. Die Pakistan Airline Cabin Crew Association hatte nichtsdestotrotz beschlossen, den Streik weiterzuführen. Die Polizei bestreitet, dass Schusswaffen eingesetzt wurden, aber die Streikenden und die Gewerkschaft sind davon überzeugt, dass die Arbeiter durch die Polizeigewalt starben. Der Streik legte die wichtigsten Flughäfen Pakistans lahm – unter Anderem in Islamabad, Karachi sowie in weiteren Städten. Um den Streik zu bekämpfen wurden Soldaten an den Flughäfen eingesetzt und die Regierung hatte angekündigt, noch mehr Entlassungen vorzunehmen und den Streik mit Gewalt aufzulösen, wenn die Streikenden den Streik nicht selbstständig auflösen würden.

Streikabbruch
Nach 7 Tagen wurde der Streik aber sehr plötzlich vom Streikkomitee abgebrochen. Ihre Begründung war, dass die Regierung eingewilligt hatte, die Gespräche mit ihnen aufzunehmen. Sie liessen verlauten, dass der Vorsitzende des Streikkomitees sich mit dem Ministerpräsidenten zusammensetzen und nach Lösungen suchen werde. Dies sei ein so grosser Erfolg, dass der Streik aufgelöst werden kann. An diesem Vorgehen sieht man allerdings nur, dass die Führung der Gewerkschaft nicht an die ArbeiterInnenklasse glaubt und bereit ist, diese fallen zu lassen, sobald die Herrschenden ihnen auch nur die Andeutung eines Entgegenkommens anbieten. Dieser Vorfall zeigt wieder einmal die zentrale Rolle der Führung eines Arbeitskampfes und ihrer politischen und ideologischen Orientierung.

Unsere GenossInnen der PTUDC (Pakistan Trade Union Defence Campain) nahmen an dem Streik teil und unterstützten die Streikenden nach ihren Kräften. Während des Streiks und bereits im Vorfeld der Streikaktivitäten, versuchten sie den Kampf der PIA-ArbeiterInnen mit dem Kampf anderer Anti-Privatisierungsbewegungen zu verbinden, wie beispielsweise den ArbeiterInnen der WAPDA (Wasser und Energie Entwicklungsbehörde). Weiter gaben sie nach den Morden an den drei ArbeiterInnen die Parole des eintägigen Generalstreiks aus, welche bei den streikenden ArbeiterInnen auf grosse Sympathie stiess, jedoch bei den Gewerkschaftsführern keine Beachtung fand. In den vergangenen Jahren gab es in Pakistan bereits zahlreiche Privatisierungsversuche, welche teilweise durch entschiedene Kämpfe verhindert werden konnten.

Jahre des Kampfes, weitere werden folgen
Einer der grössten und erfolgreichsten Streiks der letzten Jahre, war der Streik im Jahr 2011, bei der Karachi Electric Supply Company, in welcher 4‘500 ArbeiterInnen entlassen wurden. 10‘000 ArbeiterInnen besetzten für 4 Tage die Hauptgeschäftsstelle und forderten erfolgreich die Wiedereinstellung der Entlassenen. Es liegt jetzt an allen ArbeiterInnen und GewerkschafterInnen, die Kämpfe aufrechtzuerhalten und miteinander zu verbinden, um geeint als ArbeiterInnenklasse die Privatisierungen und die damit zusammenhängende Verschlechterung der Lebensbedingungen aufzuhalten.

Tabea Müller
Patrick Günthard
Juso Zürich

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