Genosse Amin kam am frühen Morgen des 1. August zuhause an. Er hatte nach seiner Verschleppung am 14. Juli durch die Rangers, einer paramilitärischen Organisation in Pakistan, 18 Tage in Haft verbracht hatte. Seine Freilassung war nur wegen der internationalen Solidaritätskampagne von GenossInnen und SympathisantInnen der IMT überall auf der Welt möglich. Amins Familie und alle GenossInnen der pakistanischen Sektion sind den FreundInnen und GenossInnen, die an der Kampagne teilgenommen haben, extrem dankbar.

In den Tagen seiner Haft wurde Amin an verschiedenen Orten festgehalten und von seinen Peinigern gefoltert. Während der Folter bezichtigten ihn die Ranger und andere pakistanische Sicherheitskräfte schrecklicher Verbrechen, die er nie begangen hat und versuchten ihn zu einem Geständnis zu zwingen. Doch trotz extremer Folter und Todesdrohungen weigerte er sich zu gestehen und wiederholte immer wieder, dass er in seinem Leben nie ein Verbrechen begangen hat. Er sagte:

«Ich bin ein politischer Arbeiter, organisiert in der IMT und ich habe nichts mit irgendwelchen kriminellen Banden oder Menschen, die Verbrechen begehen zu schaffen. »

Es wäre durchaus möglich gewesen, dass man Amin noch monate-oder jahrelang brutal gefoltert, ihn vielleicht einfach ermordet und auf die Strassen Karachis geworfen hätte. Doch die Kampagne der GenossInnen der IMT in Pakistan und weltweit rettete ihn. Die Entführer Amins mussten ihn freilassen und er selbst ist mittlerweile wieder daheim.

Während der Folter wurde Amin kopfüber aufgehängt und stundenlang hängen gelassen. Zusätzlich wurde er mit Stöcken und anderen Geräten geschlagen. Weiter quälte man ihn mit Elektroschocks am Körper und im Genitalbereich. Seine Augen waren die ganze Zeit verbunden und ihm wurde nicht erlaubt, sich hinzusetzen oder zu hinzulegen. Tagelang musste er stehen.

Teile und herrsche und die MQM

Genosse Amin gehört zu einer Mojahir-Familie aus Karachi, die Teil der Mittelklasse ist. Mohajir sind muslimische Flüchtlinge, die nach der Teilung von Indien und Pakistan ins Land kamen und seither dort leben. Amin war seit einem jungen Alter politisch aktiv. Für Urdu-Sprachige und Mohajir sind die Möglichkeiten sich in Karachi politisch zu engagieren sehr limitiert. Um seine ersten politischen Erfahrungen zu machen, musste Amin reaktionären rechten Parteien, wie der MQM beitreten.

Diese Partei wurde während der Diktatur von General Zia in den 1980ern gegründet, um die ArbeiterInnenklasse in Karachi zu spalten. Nach der revolutionären Bewegung in den Jahren 1968-69 und den folgenden Ereignissen beschloss die herrschende Klasse Pakistans die werktätige Bevölkerung an sprachlichen und nationalistischen Grenzen zu spalten.

Der Verrat durch die Führung der PPP schwächte die ArbeiterInnenbewegung. Die herrschende Klasse fuhr, ganz getreu ihren Vorbildern – dem Britischen und US-Amerikanischen Imperialismus -, mit ihren Plänen fort. Deren erster Schritt: Sie machten sich daran, das grösste Segment der Bevölkerung Karachis, die Mohajir, von anderen nationalen Gruppen zu trennen. Ausschreitungen, Morde und Blutvergiessen wurden orchestriert, um so Hass an sprachlichen und nationalen Linien innerhalb der ArbeiterInnenklasse zu säen. Daraufhin wurde eine Studierendenorganisation namens APMSO und die spätere MQM gegründet. Der Zerfall der Sowjetunion und die Schwäche der ArbeiterInnenbewegung überall in Pakistan gab der MQM eine soziale Basis. Ihre reaktionäre, rechte Politik dominierte unter den Mohajir von Karachi und führte letztlich zur Kontrolle der MQM über die ganze Stadt.

Die MQM begann Konflikte mit ihren Herren und es kam zu massiven militärischen Operationen in Karachi gegen die Partei in den Jahren 1992 und 1995. Die Unterstützung der MQM durch die Mohajir wurde durch diese Operationen nicht untergraben. Anstatt dessen stellten sich mehr Mittelklassenelemente hinter die MQM und es entwickelten sich faschistische Strömungen in der Organisation. Während ihre Unterstützung wuchs, benannte sich die Partei von Mohajir Quami Movement (nationale Mohajir Bewegung) zu Muttahida Quami Movement (Vereinte nationale Bewegung). Anschliessend erhielt die MQM die Unterstützung der Mohajir von Hyderabad und anderen Städten der Provinz Sindh. Sie versuchte später auch in andere Teile des Landes zu expandieren.

Während der Diktatur von General Musharraf, der selber Mohajir war, erhielt die MQM massive Unterstützung von staatlichen Autoritäten und stellte auf Bundes- und Provinzebene einen wichtigen Teil der Regierung dar. Bereits davor war die MQM wichtiger Bestandteil verschiedenere Regierungen gewesen, doch nun hatte sie eine grössere Autorität in staatlichen Fragen. Hierdurch nahmen unter ihrem Führer Altaf Hussain, der sich seit drei Jahrzehnten im Londoner Exil befindet, kriminelle Aktivitäten in der Partei stark zu. Sie war bereits in Schutzgelderpressung, Landraub, Geldwäsche, Entführung und Lösegeldforderungen und vielem mehr involviert. Je mächtiger die MQM wurde, desto korrupter wurde sie und letztlich wurde sie in Karachi zu einer Kraft des organisierten Terrors.

Nach dem Musharraf-Regime, ab dem Jahr 2008, war die MQM immer noch eine grosse Kraft, doch der Hass den sie wegen ihrer andauernden Orgie von Kriminalität, Raub und Plündereien auf sich zog, entfremdete grosse Schichten der Mohajir von der Partei. In diesen schwierigen Zeiten hätte die PPP-Führung die Gelegenheit gehabt, diese Schichten zu gewinnen. Doch eben jene Führung war so korrupt wie nie zuvor. Die PPP arbeitete in völliger Kollaboration mit staatlichen Autoritäten daran im ganzen Land die ArbeiterInnenbewegung niederzuwerfen. Dafür sollten Verwerfungen zwischen den Sindhi und den Mohajir ausgenutzt werden. In dieser Situation unterstützten staatliche Stellen weitere Terrororganisationen und kriminelle Banden, um die Einheit der ArbeiterInnenklassen durch Brüche an religiösen und nationalen Linien zu verhindern.

Diese Situation, verbunden mit dem Mangel jeglicher Alternativen, verhinderte jede Bewegung gegen die MQM durch Mohajir, die genug von der kriminellen Rolle hatten, die die Partei während Jahrzehnten spielte. Die MQM war darüber hinaus unfähig, auch nur eines der Probleme, wie Armut oder Arbeitslosigkeit zu lösen. Unter der Herrschaft der Partei erreichten jene Probleme und die soziale Krise unbekannte Ausmasse. Mit der Zeit führte dies zu interner Schwäche und Faktionalismus innerhalb der MQM, was zum einen Ausdruck des Niedergangs der MQM war, auf der anderen Seite aber den Einfluss einzelner Cliquen innerhalb des Staates zeigte, die verschiedene Parteiführer gegen andere unterstütze. Auch Imran Khans PTI hätte die Gelegenheit gehabt, Unterstützung in Karachi zu gewinnen, scheiterte dann aber kläglich, trotz der Unterstützung durch den Staat.

All jene Entwicklungen sorgten für ein politisches Vakuum in Karachi und staatliche Stellen versuchen, die eine oder andere Fraktion innert der MQM so aufzupäppeln, dass es wieder möglich wird, dass die Partei die Kontrolle über die Stadt gewinnt. Doch die Situation in den Strassen hatte sich grundlegend gewandelt. Kein Vorschlag der Regierung erhielt die Unterstützung der Massen. Eine solche Partei, ist die PSP, geführt vom ehemaligen Bürgermeister Karachis Mustafa Kamal (ehemals ein Führer der MQM, der immer wieder trotz grosser medialer Berichterstattung und staatlicher Unterstützung kläglich scheiterte).

Während seiner Haft wurde Amin aufgefordert, für diese Partei zu arbeiten, wenn er freigelassen wird. Auch Amins Familie wurde von mehreren unbekannten Quellen aufgefordert, die Führung der Partei zu kontaktieren, wenn sie die Freilassung von Amin sicherstellen wollten. Doch unser Genosse und seine Familie weigerten sich den Aufforderungen Folge zu leisten und irgendeiner Fraktion der MQM beizutreten. Während seiner Folter sagte Amin, dass, sollte er überleben, nur für die IMT arbeiten würde. Dies sei die einzige Organisation, die, so sieht er es, mit der korrekten Linie vorgeht.

IMT-Solidaritätskampagne erfolgreich!

Amin verliess die MQM 2017 wegen ihrer Degeneration und bürokratischen Manövern. In dieser Zeit führte die Progressive Youth Alliance (PYA) eine Kampagne für kostenlose Bildung und die Wiederherstellung von Studentengerwerkschaften durch. Die PYA organisierte Treffen in verschiedenen Städten im ganzen Land und eine Social Media Kampagne war in vollem Gange. Die PYA war ausserdem unter den Paschtunen aktiv, während deren Widerstandskampagne für grundlegende Lebensbedürfnisse. Dieser Funke von Hoffnung erreichte auch Amin und seine Schwester, die nach langen politischen und theoretischen Diskussionen entschieden, der IMT und der PYA beizutreten. Beide nahmen in den letzten zwei Jahren an den Veranstaltungen der Organisation teil.

Während seiner Haft versuchte man von Amin ein Geständnis abzupressen, dass er immer noch für die MQM in London arbeite. Das bestritt er immer und immer wieder. Er sagte aus, dass er nur für die IMT politische Arbeit betreibe. Als seine Entführer darin scheiterten, Amin eine Zugehörigkeit zur MQM anzudichten, begannen sie seine Beziehung zur IMT zu vergiften. Sie verleumdeten die Führung der IMT und kündigten an, sich schon bald um sie «zu kümmern». Amin wurden auch finstere Aussichten angekündigt, wenn er weiter die IMT unterstütze. Auch gegen führende weibliche Genossinnen, so auch Amins Schwester, wurden Drohungen von unterschiedlichster barbarischer Art ausgesprochen. Es kam auch zu Todesdrohungen gegen die Führung der IMT. Die Entführer sagten, dass sie die Besitzer des Landes seien und niemand etwas gegen sie tun könne. Sie sagten ihm auch, dass sie schon viele in Haft getötet hätten und die Leichen nur auf die Strassen Karachis zu werfen bräuchten.

Doch trotz alledem gelang es der wundervollen Solidaritätskampagne zur Freilassung Amins genug Druck aufzubauen, um seine Entführer dazu zu zwingen, ihn gehen zu lassen. Das ist nicht nur für die IMT ein Sieg, sondern für alle linken und politischen ArbeiterInnen Pakistans. Wir möchten auch anderen linken Organisationen in Pakistan, die sich trotz Einschüchterungen und Drohungen an der Kampagne beteiligten und an den Protesten teilnahmen, von ganzen Herzen danken.

Die Überzeugung mit der unser Genosse Amin nun den Kampf wieder aufnimmt, ist stärker als je zuvor. Er ist dem Kampf für eine sozialistischen Revolution in Pakistan völlig ergeben und er ist sich sicher, dass einzig dieser Weg der Weg vorwärts für die unterdrückten Menschen seines Landes ist. MarxistInnen haben immer und immer wieder klar gesagt, dass es einfach ist, einen Menschen zu töten, doch niemand kann eine Idee töten, deren Zeit gekommen ist. Das ist ebenso wahr in Pakistan wie anderswo. Die Krise des Kapitalismus stösst Millionen in die Armut, ins Elend und in die Verzweiflung. Für sie ist die revolutionäre Umwälzung dieses schrecklichen Systems der einzige Weg aus dem Abgrund von Ausbeutung und brutaler Unterdrückung.

Während die Reichen in extremem Luxus leben, müssen die Armen brutale Bedingungen erdulden und werden beim kleinsten Zeichen von Widerstand mit Folter und Repression unterdrückt. Doch ist, wie man sagt, die Nacht vor der Morgendämmerung am dunkelsten. Die Verzweiflung der herrschenden Klasse in Pakistan, ihre brutalen Methoden, zeigen, dass diese Morgendämmerung einer sozialistischen Zukunft in Pakistan nicht fern ist.

Die GenossInnen der IMT, so auch Amin und seine Schwester, schwören erneut für diese gute Sache zu kämpfen und auch ihren Kampf mit diesen Kräften finsterster Reaktion bis zum letzten Atemzug zu führen. Das ist die einzige Hoffnung für die gesamte Menschheit und wir werden jeden Tropfen unseres Blutes für diese Sache opfern, die das einzige ist, für das es sich zu leben und sterben lohnt.

Lang lebe die IMT!

Lang lebe die sozialistische Revolution!

ArbeiterInnen aller Länder vereinigt euch!

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