Lenin sagte einmal: «Der Krieg ist schrecklich, schrecklich profitabel». Die anhaltende COVID-19-Pandemie ist wie ein Krieg, nicht nur in Bezug auf die Zahl der Todesopfer, sondern auch auf die grotesken Gewinne, die sie den kapitalistischen Profiteuren beschert hat.

Das US-amerikanische Unternehmen Pfizer ist das eindrücklichste Beispiel dafür, wie Big Pharma eine öffentliche Gesundheitskrise ausnutzt, um seine Kassen zu füllen. Der Name Pfizer, der jahrelang vor allem für die Herstellung von Viagra bekannt war, ist jetzt ein Synonym für einen der wirksamsten COVID-19-Impfstoffe auf dem Markt – obwohl das Unternehmen die Technologie dahinter nicht entwickelt hat. Jüngste Untersuchungen haben ergeben, dass Pfizer enorme Gewinne erzielt hat, während Millionen von Menschenleben als Geiseln gehalten wurden.

«Einmaliger wirtschaftlicher Glücksfall»

Geoffrey Porges, Analytiker bei der Investmentbank SVB Leerink, bezeichnete die mehr als 80 Milliarden Dollar Umsatz, die Pfizer seinen Aktionären allein für dieses Jahr in Aussicht gestellt hat, als einen «einmaligen wirtschaftlichen Glücksfall». Diese Zahl entspricht einem Umsatzwachstum von mehr als 93 Prozent im Vergleich zum Vorjahr und einer Gewinnspanne von rund 20 Prozent vor Steuern für das Unternehmen.

Allein im ersten Quartal 2021 hat Pfizer 900 Millionen Dollar Gewinn gemacht. Zusammen machen die grössten Impfstoffhersteller (Pfizer, BioNTech und Moderna) jede Sekunde mehr als 1’000 Dollar Gewinn und es gibt keine Anzeichen dafür, dass sie damit aufhören. 

Die Quelle der unermesslichen Gewinne von Pfizer sind natürlich die 2.3 Milliarden Dosen von mRNA-Impfstoffen, für deren Lieferung an Regierungen in aller Welt das Unternehmen bezahlt wurde. Bemerkenswerterweise hat Pfizer nichts zur Forschung und Entwicklung dieses Impfstoffs beigetragen.

Die dem Impfstoff zugrundeliegende mRNA-Technologie wurde in den Labors des deutschen Unternehmens BioNTech erfunden, dessen Name, entsprechend der Marketingvereinbarung, nur aus Höflichkeit hinter dem von Pfizer angehängt ist. Die Forschungsarbeiten von BioNTech waren keineswegs ein Produkt marktwirtschaftlicher «Innovation», sondern wurden mit 375 Millionen Euro von der deutschen Regierung unterstützt.

Ein ehemaliger US-amerikanischer Beamter für die Beschaffung von Impfstoffen sagte der Financial Times: «Es ist nicht einmal der Impfstoff von [Pfizer]… (dies ist) der grösste Marketing-Coup in der Geschichte der US amerikanischen Pharmaindustrie.»

Da Pfizer über die Kapazitäten zur Massenproduktion (und Patente auf Herstellungsverfahren) des Impfstoffs verfügte, konnte es den mRNA-Impfstoff effektiv als sein Produkt vermarkten. Mit anderen Worten: Da Pfizer die Produktionsmittel für Medikamente in Privatbesitz hatte, konnte es sich einen wissenschaftlichen Durchbruch sichern, der aus der staatlich finanzierten Forschung stammte.

Maximierung der Gewinne

Nachdem sich Pfizer die Kontrolle über die BioNTech-Formel gesichert hatte, ging es nur darum, den Impfstoff so teuer wie möglich zu verkaufen – und nicht darum, ihn so vielen Menschen wie möglich bereitzustellen.

Das Unternehmen setzte skandalöse Preise fest und verlangte anfangs von der US-Regierung 200 Dollar für zwei Dosen. Schliesslich wurde der Preis im ursprünglichen Vertrag auf 19.5 Dollar pro Dosis heruntergehandelt, was aber im Vergleich zu den Produktionskosten von nur 1.18 Dollar immer noch eine riesige Gewinnmarge ergibt. Mit anderen Worten: Pfizer macht immer noch gigantische Gewinne. Mit dem Fortschreiten der Pandemie hat das Unternehmen seine Preise immer weiter in die Höhe getrieben.

In diesem Jahr hat die EU versucht, ihr Angebot an Impfstoffen von Pfizer um das Fünffache zu erhöhen. Daraufhin erhöhte Pfizer seinen Preis um mehr als einen Viertel, nämlich von ursprünglich vereinbarten 15.50 € auf 19.50 € pro Dosis, was die Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen, akzeptieren musste. In ähnlicher Weise akzeptierte die britische Regierung eine Preiserhöhung von 18 auf 22 Pfund pro Dosis.

Das Vereinigte Königreich hat einen Vertrag mit Pfizer abgeschlossen, der diesem Unternehmen eine enorme Verhandlungsmacht verleiht.

Wie in einer kürzlich von Channel 4 ausgestrahlten Dokumentation gezeigt wurde, stimmte die britische Regierung der Forderung von Pfizer zu, dass im Falle eines Streits zwischen den beiden Parteien über ihren Vertrag der Streit nicht von den britischen Gerichten geschlichtet werden soll. Stattdessen soll er von einem «unabhängigen» Streitbeilegungsausschuss geschlichtet werden, in den Pfizer einige seiner Mitarbeiter entsenden kann. Darüber hinaus sollen alle Streitigkeiten geheim bleiben, abgeschirmt von der Öffentlichkeit.

Pfizer wird also ermächtigt, eine riesige Menge an Steuergeldern für ihr Produkt zu kassieren, während die Steuerzahler keine Ahnung haben, was für Preise in den Gesprächen hinter verschlossenen Türen bestimmt werden.

Die Regierungen der ärmeren Länder können sich die unverschämten Preise von Pfizer natürlich nicht leisten. Dies erklärt, warum die überwiegende Mehrheit der wirksamsten, privat hergestellten Impfstoffe an reiche Länder ging.

Die Financial Times berichtete, dass 66 Prozent der in den G7-Ländern lebenden Menschen zwei Dosen erhalten haben, was aber nur für sechs Prozent der Bevölkerung des gesamten afrikanischen Kontinents gilt.

In der Zwischenzeit hat Pfizer weniger als zwei Prozent des von ihnen produzierten Impfstoffs an COVAX, die UN-Initiative zur Lieferung von Impfstoffen an ärmere Länder, abgegeben. Das ist nicht nur an sich verwerflich. Sondern die Pandemie wird dadurch unnötig verlängert, wenn ganze Nationen ohne ausreichende Impfstoffversorgung bleiben, weil es sich nicht lohnt.

Wir haben bereits erklärt, dass die freie Zirkulation des Virus dazu führt, dass es mutiert und die durch frühere Infektionen und Impfungen verliehene Immunität überwindet. Die sich abzeichnende Bedrohung durch die Omicron-Variante ist genau eine Folge der ungleichen Verteilung von Impfstoffen, für die grosse Pharmakonzerne wie Pfizer zu einem grossen Teil verantwortlich sind.

Es liegt sogar direkt im Interesse dieser Unternehmen, dass die Pandemie so lange wie möglich hinausgezögert wird. Auffrischungsimpfungen, mit denen die nachlassende Immunität und neue Varianten ausgeglichen werden sollen, bieten eine weitere Umsatz- und Gewinnspritze.

Ein Analyst schätzt, dass die Auffrischungsimpfungen Pfizer im nächsten Jahr zusätzliche Umsätze in Höhe von 26 Milliarden Dollar und Gewinne in Höhe von etwa 7 Milliarden Dollar einbringen könnten.

Pfizer-CEO Albert Bourla sagt bereits, dass in Zukunft möglicherweise eine vierte Dosis (und damit ein vierter Geldsegen) erforderlich sein wird. Wenn man die Aufgabe, die Welt zu impfen, denen überlässt, die nur auf Profit aus sind, schürt das nur noch mehr die weit verbreitete Skepsis und das Zögern bei Impfungen.

Aber um die Sache noch schlimmer zu machen, hat Pfizer auch aktiv Fehlinformationskampagnen durchgeführt, um seine Konkurrenten zu diskreditieren.

Der Dokumentarfilm von Channel 4 enthüllte, dass Pfizer sogenannte Experten dafür bezahlte, auf Impfstoffseminaren in Kanada zu sprechen, wo sie unbegründete Behauptungen aufstellten, dass der (weitaus billigere) Impfstoff von AstraZeneca Krebs verursachen könne und dass er für immungeschwächte Patienten unsicher sei. In einer Zeit, in der Verschwörungstheorien dazu führen, dass grosse Teile der Weltbevölkerung Impfstoffen gegenüber misstrauisch werden, giesst Pfizer weiter Öl ins Feuer, indem es seine Konkurrenz schlecht macht.

Die Kapitalisten verpfuschen die Impfung

Wäre die Produktion von Impfstoffen vom ersten Tag an hochgefahren und im Rahmen einer globalen, koordinierten Strategie kostenlos verteilt worden, hätte die Pandemie bereits beendet werden können. Stattdessen müssen wir das widerliche Spektakel des Impfstoff-Nationalismus erleben. In der Zwischenzeit erlaubte das Regime des Privateigentums «Big Pharma», die Impfstoffproduktion nach seinen Bedürfnissen zu steuern und die Technologie hinter seinen Produkten eifersüchtig zu hüten.

Anstatt die Produktion hochzufahren, um das Ziel zu erreichen, die Weltbevölkerung zu durchzuimpfen, haben Pfizer und andere dies nur in einem Tempo getan, das es ihnen ermöglichte, ihre Aufträge gewinnbringend zu erfüllen. Dies wurde kürzlich versehentlich in dem viel gepriesenen milliardenschweren Plan der Regierung Bidens zur «Ausweitung der Impfstoffproduktion» aufgedeckt. In Wirklichkeit lief dieser «Plan» auf wenig mehr hinaus, als mit Pfizer und Moderna darüber zu verhandeln, wie viel die US-Regierung ihnen für die Ausweitung der Produktion zahlen würde. Mit anderen Worten: Ginge es nicht um Profit, hätten sie die Impfstoffproduktion bereits hochfahren können.

Darüber hinaus gehört Pfizer zu den schärfsten Gegnern der Forderung, Impfstoffrezepturen offen zu legen. Würde dies geschehen, könnten andere Impfstoffhersteller und staatliche Einrichtungen wirksame Impfstoffe zu niedrigeren Preisen herstellen.

Dies würde aber auch bedeuten, dass Pfizer sein Monopol auf den Impfstoff und seinen Einfluss auf die Regierungen verlieren würde, was schlecht für das Geschäft wäre. Wir haben also eine Situation, in der ein privates Unternehmen alle Materialien und Techniken hortet, mit denen das Virus schon vor Monaten hätte ausgerottet werden können.

Letzten Endes geht es bei allen Aktionen von Pfizer um Gewinnmaximierung und um nichts anderes. Die Handlungen von Pfizer und den anderen Big-Pharma-Kapitalisten sind ein Beweis dafür – falls es einen Beweis benötigt –, dass wir ihre Ressourcen sofort unter staatliche Kontrolle bringen müssen, damit es im Rahmen eines globalen Plans für die Herstellung einer ausreichenden Impfstoffversorgung für die ganze Welt verwendet werden kann. Dies wäre der sicherste Weg, die Pandemie zu beenden.

Natürlich würde keine kapitalistische Regierung der Welt Massnahmen ergreifen, die die Unantastbarkeit des Privateigentums verletzen würden. Es obliegt daher der Arbeiterklasse, den Kapitalismus zu stürzen und mit dem Aufbau einer sozialistischen Gesellschaft zu beginnen, um diese notwendigen Massnahmen im Rahmen einer demokratischen Planwirtschaft tatsächlich durchzuführen.

In Anbetracht der katastrophalen Lage, in der wir uns befinden, ist dies die einzige Möglichkeit, einen Ausweg ohne weitere Millionen Tote zu garantieren.

Parson Young, IMT

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