An die Bürger Russlands! Die Provisorische Regierung ist gestürzt. Die staatliche Gewalt ist in die Hände des Organs des Petrograder Sowjets der Arbeiter- und Soldatendeputierten, des Militärischen Revolutionskomitees, übergegangen, das an der Spitze des Proletariats und der Garnison von Petrograd steht.

Mit diesem Aufruf verkündete das Militärische Revolutionskomitee, ein Ausschuss des Petrograder Sowjets, am 25. Oktober 1917 die Absetzung der bürgerlichen Regierung und die Machtübernahme durch die ArbeiterInnenklasse und die Bauernschaft in Russland.
Zum hundertsten Mal jährt sich diesen Herbst dieser gewaltige Umbruch. Mit unserer seit Jahresbeginn laufenden Artikelreihe und den produzierten Materialien zum 100-Jahr-Jubiläum der Russischen Revolution wollen wir klar machen, dass es für uns als MarxistInnen kaum ein wichtigeres Jubiläum zu feiern gibt. 1917 erfolgte zum ersten Mal in der Weltgeschichte der grössere Versuch, eine Gesellschaft aufzubauen, in der die zuvor unterdrückten Schichten und Klassen demokratisch über ihr eigenes Schicksal entscheiden und in der der Gegensatz zwischen AusbeuterInnen und Ausgebeuteten, zwischen UnterdrückerInnen und Unterdrückten aufgehoben ist. Mit dem Zusammenbruch des Russischen Zarentums und der Machteroberung der Arbeiter- und Soldatendeputierten-Sowjets wurden in dem ehemaligen Riesenreich, das fast einen Sechstel der Erdoberfläche umspannte, 130 Millionen Menschen vom Joch des zaristischen Despotismus und der kapitalistischen Ausbeutung befreit.

Bürgerliche Medien und HistorikerInnen kommen anlässlich dieses Jubiläums wieder mit der alten Leier, nach der die Partei der Bolschewiki, unter deren Führung die Machteroberung der Sowjets vollzogen wurde, einen kaltblütig berechneten Putsch durchgeführt und anschliessend ihre Parteidiktatur errichtet habe. Was diese bürgerlichen IdeologInnen bewusst verschweigen, ist genau das, was für unsere heutige Praxis als marxistische Strömung das entscheidende Element der Russischen Revolution darstellt: Die Russische Revolution beweist, dass die unterdrückten Klassen durchaus in der Lage sind, den Kapitalismus über den Haufen zu werfen – sofern sie sich eine revolutionäre Organisation mit korrektem Programm und korrekter Taktik schaffen, die sie in diesem Kampf führen kann. Eine solche Organisation ist heute genauso notwendig wie 1917, und wir haben uns dem Aufbau genau einer solchen verschrieben. Für diese Aufgabe können wir vieles lernen aus den Erfahrungen der Russischen Revolution, und als “Funke” sehen wir uns daher auch in der Tradition des revolutionären Marxismus, wie ihn Lenin und Trotzki, die Führer der Bolschewiki und der Oktoberrevolution, verkörperten.

Noch ein weiteres Jubiläum gilt es für uns diesen Herbst zu feiern: Im September 1867, vor 150 Jahren, erschien Karl Marx’ epochemachendes Werk «Das Kapital». Mit überragender analytischer Schärfe unterzog Marx in dieser genialen Schrift die kapitalistische Gesellschaft einer tiefgehenden Kritik, indem er die inneren Bewegungsgesetze der kapitalistischen Produktionsweise enthüllte: dass das einzige Motiv kapitalistischer Produktion in der Erwirtschaftung von Mehrwert besteht, der wiederum aus der Ausbeutung der arbeitenden Klasse durch die KapitalistInnen stammt, und dass sich das kapitalistische System zwangsweise immer wieder in Krisen bewegt und damit seine eigene Existenzgrundlage untergräbt. Trotz den seither verstrichenen eineinhalb Jahrhunderten ist der Kapitalismus des 21. Jahrhunderts nach wie vor genau jenen Gesetzen unterworfen, die Marx im «Kapital» dargelegt hat – die Krise der Weltwirtschaft, die seit 2008 anhält, die zunehmende soziale Ungleichheit und die Angriffe auf den Lebensstandard der Lohnabhängigen und der Jugend bestätigen dies eindrücklich. Selbst die bürgerliche NZZ schrieb am 14. September (dem Erscheinungsdatum von “das Kapital”), das Buch habe angesichts der gegenwärtigen krisenhaften Konjunktur, der Zunahme von Working Poors und mit Überarbeitung verbundenen, um sich greifenden psychischen Krankheiten eine “traurige Aktualität”.

Der russische Revolutionär Leo Trotzki brachte die Russische Revolution und «Das Kapital» bereits in folgenden Zusammenhang: War Marx der Autor des «Kapital», so war Lenin der Autor der Russischen Revolution. Diese Gleichung steht sinnbildlich für die Einheit von Theorie und Praxis, die den Marxismus charakterisiert. Während «Das Kapital» noch heute hilft, unsere bestehende Gesellschaftsformation zu verstehen, lehrt uns die Russische Revolution, wie wir diese Gesellschaft bewusst umgestalten können. Wir bauen heute eine Organisation auf, welche die Lohnabhängigen und die Jugend mit der marxistischen Theorie und Praxis bewaffnet, so dass dieses verrottete System endlich auf den Müllhaufen der Geschichte geworfen werden kann. Wenn du diese Zeitung in den Händen hältst und mit uns einverstanden bist, dann organisiere dich – kontaktiere uns und hilf uns, die marxistische Strömung aufzubauen!

Die Redaktion

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