SparStreik

Nach 11 Tagen Streik der Spar-Belegschaft In Baden- Dättwil beschloss das Bezirksgericht Baden am Donnerstag (13. Juni) die Räumung der Streikblockade vor dem SPAR. Die Streikenden erhielten dann auch von der Polizei die Bestätigung, dass um 16.00 Uhr desselben Tags die polizeiliche Räumung erfolgen würde.

Eine Stunde vor Fristablauf hatten die rund fünfzig Streikenden und SympathisantInnen denSparStreik Platz selbstständig verlassen. Von der UNIA und den Streikenden wurde beschlossen, den Streik vor dem Hauptsitz in St. Gallen fortzusetzen. Allerdings haben die UNIA und die Streikenden damit das wesentliche Druckmittel, die Sparfiliale und und die Tankstelle, verloren. Schon am nächsten Tag wurde die Spar-Filiale wieder geöffnet und die Streikenden vom Spar-Management durch andere Angestellte ersetzt. Jetzt bleibt sind noch die Bemühung um eine Perspektive für die 10 Angestellten, die fristlos entlassen wurden.

Man erkennt hier ein grundlegendes Problem der Arbeitskämpfe im Detailhandel: Die Grösse der streikenden Betriebe. Es gibt weniger Personal als in Industrieunternehmen und es ist leicht ersetzbar durch andere Arbeitswillige, die den tiefen Lohn und die schlechten Arbeitsbedingungen akzeptieren, da sie im ganzen Detailhandel Gang und Gäbe sind. Solange der Betrieb besetzt werden kann und bleibt, hat man ein reales Druckmittel auf den Arbeitgeber. Natürlich kann man das Scheitern dieses Kampfs nicht allein auf diese Herausforderung reduzieren, im Gegenteil. Aus dem bisher längsten Streik des Detailhandels in der Schweizer Geschichte kann man wichtige Schlüsse für die zukünftigen Arbeitskämpfe in diesem Sektor ziehen. In der nächsten Funke-Ausgabe wird dann auch eine genauere Analyse des Spar-Streiks erscheinen. 

Der Streik war nicht gross, aber es gab für die Streikenden eine grosse Unterstützung in der Bevölkerung und Politik. In den Medien wurde zwar mit gemischten Gefühlen berichtet, der Blick reagierte aber positiv auf den Streik und auch an Leserbriefen und Online-Kommentaren konnte man die Sympathie für das Anliegen der Angestellten in der Öffentlichkeit sehen. Am Samstag nach der Räumung rief die JUSO Schweiz und die UNIA Jugend zu einer Soli-Aktion auf, die selbst bis über die Grenzen nach Vorarlberg hinaus umgesetzt wurde. Weitere Solidaritätsaktionen stehen noch an, die Grundsatzdebatte zum Streikrecht ist medial wieder losgetreten und wir als GewerkschafterInnen und SozialistInnen müssen vermehrt unsere Waffen schärfen; indem wir einerseits unsere Erfahrungen kritisch analysieren und Schlussfolgerungen für kommende Kämpfe ziehen und andererseits, indem wir unsere Kräfte bündeln, die linken Parteien vermehrt für gewerkschaftliche Themen sensibilisieren und den gemeinsamen Kampf mit den Gewerkschaften organisieren. Denn es ist klar: Im Detailhandel sind die Bedingungen fast überall die gleichen: schlechter Lohn, enormer Druck auf die Angestellten, Personalmangel, Überstunden und fast keine Rechte. Es ist ein Pulverfass, das bald hochgehen wird. Der Streik bei Spar war kein Zufall – es war erst der Anfang.

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