Ich begann mit einer Lehre auf der Baustelle und bildete mich zum Planer weiter. Somit kenne ich sämtliche Phasen und Abläufe eines Projektes von der Planung bis zur Ausführung. Meine heutige Arbeit als Projektleiter umfasst die Begleitung eines Projektes ab dem ersten Kontakt von Auftraggeber und -nehmer bis hin zur Fertigstellung der Anlage. Als Projektleiter bin ich innerhalb eines Projekts für die Kommunikation zwischen der Geschäftsleitung, unseren Monteuren und dem Kunden verantwortlich. Die Kerngebiete der Gebäudetechnik sind die Sanitär-, Heizungs-, Klima, -Lüftungs- und Elektroanlagen eines Gebäudes. Die Arbeit als Projektleiter in der Gebäudetechnik liegt und gefällt mir sehr gut. Zum einen liefert man mitunter die wichtigsten Grundbedürfnisse wie Wärme und sauberes Trinkwasser. Zum anderen leiste ich einen technischen Beitrag zur Energiewende.

Meine Firma ist einer der grössten Dienstleister in der Gebäudetechnik der Schweiz. Lange Zeit war das Unternehmen in der Branche für sein gutes Preis-Leistungsverhältnis angesehen. Doch grosser Kostendruck zwang die Firma nach neuen Investoren zu suchen. Schliesslich wurde sie durch eine noch grössere Firma aus dem Ausland übernommen. Das Ziel des Grosskonzerns ist selbstverständlich: fette Profite. Um dies zu erreichen, wurden in der Preispolitik eine ganze Reihe neuer, aggressiver Methoden angewandt.

Die Stossrichtung dieser Vorgaben ist klar: Zuerst drücken wir unsere Preise, um die Konkurrenz auszustechen. Und danach wälzen wir die Kosten auf alle anderen ab, das heisst: Auf Kunden, Drittfirmen und die eigenen Arbeiter. Den Kunden und Drittfirmen wird alles Unvorhergesehene direkt in Rechnung gestellt, auch wenn die Fehler selber verursacht wurden. Dafür werden vertragliche Grauzonen ausgenutzt.

Um die tiefen Preise der Offerte einhalten zu können, werden den Monteuren unrealistische Montagezeiten vorgegeben. Sie werden konstant unter Druck gesetzt. Dies führt dazu, dass von den Monteuren unter Zeitdruck geleistete Arbeit teilweise qualitativ wie auch optisch nicht ausreichend ist. Der Arbeitgeber hat dafür kein Verständnis und akzeptiert diese Arbeiten nicht. So werden den Monteuren Stunden gestrichen und sie dazu verdonnert, die Arbeiten in der Freizeit nachzuholen. Der GAV sieht zwar vor, dass bewusst schlecht ausgeführte Arbeiten von der Arbeitszeit abgezogen werden dürfen, diesen Aspekt des GAV jedoch im beschriebenen Falle zu anzuwenden grenzt schon an kriminelle Energie. Dieser enorme Druck hat dazu geführt, dass innerhalb weniger Monate fast die Hälfte der Monteure die Firma verliessen. Von mir als Projektleiter wird dabei verlangt, dass ich Polizist spiele und möglichst viel Druck auf die Monteure ausübe, indem ich penibel die Arbeitszeiten und Arbeitsweise kontrollieren soll.

Meine Firma ist kein Einzelfall in der Branche, sondern das Resultat der Konkurrenz in dieser “Billigbranche“ (es darf nichts kosten). Durch diese Mechanismen der Baubranche, die extrem schnelllebig ist und einem enormen Kostendruck untersteht, ist man gezwungen, solche Praktiken anzuwenden.

Ich will eigentlich qualitativ hochwertige Arbeit leisten. Aber die Qualität rückt immer mehr in den Hintergrund. Das Verhältnis zwischen Qualität und Profitgier stimmt nicht mehr. Das heisst, dass ich nicht mehr hinter meiner Arbeit stehen kann. Sie entfernt sich immer weiter von der Schaffung hochwertiger Gebäudetechnik. Zwar ist die Arbeit als Projektleiter für die Baubranche relativ gut bezahlt. Dies rechtfertigt jedoch noch lange nicht, dass man sich selber nicht mehr treu bleiben darf und für die Profitgier eines Unternehmens als Marionette agieren soll. Schlussendlich besteht inzwischen ein Grossteil meines Alltags darin, Druck auszuüben und unrealistische Leistungen intern wie extern einzufordern.

Politik geht mir eigentlich am Arsch vorbei. Aber: Wenn ich am Ende des Tages acht Stunden gekrampft habe, ohne qualitativ gute Arbeit geleistet zu haben, sondern nur für Profite, dann geht mir das auf den Ranzen. Dann will ich das auch sagen.

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