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Ich arbeite in der Serviceabteilung einer Elektroinstallationsfirma und kümmere mich um Reparaturen, Störungsbehebung und Umbauten. Obwohl die eigentliche Arbeit oft in den selben Mustern abläuft, ist der Kontakt mit Kundschaft und ArbeitskollegInnen auf den Baustellen und Anlagen sehr abwechslungsreich und kurzweilig.

Die Arbeitstage sind manchmal zäh und stressig, doch die Arbeit als Handwerker ist zum Glück noch wenig entfremdet und es ist immer wieder ein gutes Gefühl, das Resultat der eigenen Arbeit zu sehen und Kollegschaft und Kundschaft zufriedenzustellen.

Ich bin selten einen ganzen Tag am selben Auftrag, ich repariere die Küchenlampe in der Wohnung einer Rentnerin, um danach eine halbe Stunde lang Kaffee zu trinken und der vereinsamten Frau als Seelsorger beiseite zu stehen. Gerade im Elektroservice kommt man in die Privatsphäre der verschiedensten Menschen. Elend und Luxus liegen nicht selten einige hundert Meter voneinander entfernt. Ich werke auf dem Rohbau und beteilige mich am Schalk der anderen Handwerker. Auf dem Bau geht es multikulturell zu und her. Aber trotz sprachlichen Barrieren klappt die Verständigung erstaunlich gut. Man unterhält sich meist in einem vereinfachten Deutsch, gemischt mit italienischen, albanischen und portugiesischen Begriffen, einer Art Esperanto des Proletariats.

Die Solidarität untereinander ist gross, wenn einer von zu Hause Kuchen mitbekommen hat, wird geteilt. Je härter und gefährlicher die Arbeit, desto ehrlicher und direkter ist man auch miteinander.

Wenn ich an Starkstromanlagen hantiere, vertraue ich dem Kollegen neben mir mein Leben an und er mir seins. Da darf man seinen Missmut nicht in sich hineinfressen, man sagt sich schonungslos ins Gesicht, was man voneinander hält und spart nicht mit Kraftausdrücken. Das klingt vielleicht verroht, ist aber ein notwendiges Ventil und Teil einer proletarischen Kultur, wenn auch mit Luft nach oben. Ich bespreche mich mit KundInnen und ArchitektInnen: Hier prallen oft die Klassenunterschiede direkt aufeinander. Während die meisten meiner Arbeitskollegen mit ihren Familien mit immer weniger finanziellem Spielraum über die Runden kommen, sind gerade GrosskundInnen und deren ArchitektInnen oft steinreich und geben das Geld mit beiden Händen aus. Natürlich mit der angemessenen Arroganz, welche scheinbar direkt den Kontostand des Gegenüber widerspiegelt.

Hier greift wenigstens teilweise eine Art Handwerker-Reflex der ausgleichenden Gerechtigkeit. Äussert sich die Kundschaft kompliziert und abschätzig, dauert die Arbeit einfach etwas länger und wird folglich teurer. Die so gewonnenen Stunden zieht man dann bei den Rechnungen der einfachen Leute ab – je unkomplizierter die Bauleitung und Kundschaft, desto günstiger und schneller die Arbeit. Die Zufriedenheit und Wertschätzung meiner Arbeit ist mir sehr wichtig, das macht auch die Pikett-Einsätze erträglicher.

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