Revolution – unter diesem Motto fand am sechsten und siebten Oktober das grösste marxistische Bildungswochenende des Jahres statt. Hundert enthusiastische MarxistInnen aus der Schweiz, Frankreich, Italien, Deutschland und Österreich trafen sich in Nidau/Biel. Das Ziel: Sozialismus zu unseren Lebzeiten.

Trumps Protektionismus und die Krise
Am Samstag morgen eröffnete Alessio von Sinistra, Classe, Rivoluzione (IMT Italien) die Diskussion über die weltweite politische und wirtschaftliche Situation. Zehn Jahre nach Ausbruch der Krise befinden wir uns im schwächsten Aufschwung der Geschichte. Dies haben auch die Kapitalisten begriffen. Statt weiter auf tiefe Zinsen zu setzen und Geld in Umlauf zu bringen, setzt nun ein Teil auf Protektionismus. Der bedeutendste Repräsentant davon ist sicher Trump. Dessen Slogan „America First!“ (Amerika zuerst) verdeutlicht, was hinter dem Handelskrieg steckt. Das Ziel ist, die Arbeitslosigkeit zu exportieren. America First, auf Kosten von allen anderen. Trumps Schutzzölle drohen, den Ausbruch einer neuen Rezession zu beschleunigen.

Alessio Marconi (IT) referiert über die Perspektive der Weltrevolution

Die anhaltende Krise zeigt sich auch in Europa, wo eine politische Krise auf die nächste folgt. In Abwesenheit einer revolutionären Massenpartei drückt sich dies im Aufstieg der sogenannt populistischen Parteien aus, aber auch in zunehmend militanten Klassenkämpfen und sich schnell entwickelndem Bewusstsein, vor allem bei der Jugend. In der Diskussion wurde unter anderem die Rolle der MarxistInnen in diesem Prozess betont: nicht nur die richtige Analyse und Theorie der Kämpfe bieten, sondern eine militante Praxis entwickeln um die fortgeschrittensten Schichten
zu gewinnen.

Streiks, Linkspopulismus und Open Mic
Am Nachmittag wurden mehrere kleinere Workshops präsentiert. So diskutierte beispielsweise der Genfer Gewerkschafter Alessandro Pelizzari mit uns über die Aktualität des Generalstreiks. Zahlreiche junge ArbeiterInnen erzählten sehr lebhaft von ihren Erfahrungen in den Betrieben und diskutierten über die Rolle der MarxistInnen in Betrieben und Gewerkschaften. Die Bereitschaft, revolutionäre Theorie umzusetzen, war in der Diskussion spürbar.

Weitere Diskussionen zu Linkspopulismus und den Ideen von Karl Marx führten ebenfalls zu angeregten Diskussionen, die beim Abendessen und später an der Bar fortgesetzt wurden. Am Abend war Open Mic angesagt. GenossInnen trugen – einzeln oder in Gruppen – revolutionäre Lieder und Gedichte vor, wobei das Publikum laut mitsang. Bereits um Mitternacht verstummten die Gesänge – auch die Letzten wollten sich ausruhen gehen. Verständlich! Das Programm des zweiten Tages war nämlich nicht minder verheissungsvoll.

Italien: die neue Regierung
Am Sonntag fanden morgens und nachmittags sechs verschiedene Workshops statt. Ein Höhepunkt war sicher jener über Italien, geleitet von Alessio. Die Wahlen im Frühjahr haben die politische Landschaft wie ein Erdbeben umgestaltet. Die bisher regierende Demokratische Partei hat massiv verloren. Der Auftritt der ArbeiterInnen auf der politischen Bühne hat die 5-Sterne-Bewegung an die Macht gebracht. Nun fordert sie die Einlösung der Wahlversprechen, was Italiens Staatsschulden vervielfachen würde. Die rechte Lega versucht derweil die Unzufriedenheit der Massen mit Rassismus abzulenken. Dies wird aber nicht ewig möglich sein und früher oder später droht die Regierung zu zerbrechen. Dies wird zu intensiven Klassenkämpfen und Umwälzungen führen.

Weitere Themen des Tages waren unter anderem Marxismus vs. Intersektionalität, Digitalisierung und technologischer Fortschritt und eine Analyse des Schweizer Imperialismus. In den engagierten Diskussionen zeigte sich das grosse Bedürfnis nach Theorie. Zahlreiche Leute kauften sich gleich mehrere Bücher am Literaturstand. Verschiedene GenossInnen riefen in ihren Beiträgen auch dazu auf, uns beim Aufbau einer Marxistischen Organisation zu unterstützen. Dies stiess auf rege Zustimmung. „Mitzuhelfen, eine revolutionäre Alternative aufzubauen ist die
logische Schlussfolgerung dieses Wochenendes“, äusserte sich ein Teilnehmer begeistert.

Der Name Revolution 2018 ist treffend gewählt, denn eine Revolution ist heute so notwendig wie nie. Die Entwicklung der Technologie bietet das Potential, der gesamten Menschheit einen nie gekannten Lebensstandard zu ermöglichen. Der Kapitalismus in der Krise kann dieses Potential unmöglich realisieren. Deshalb wollen wir den Sozialismus, nicht erst in hundert Jahren, sondern zu unseren Lebzeiten. Das Festival der marxistischen Ideen hat alle Anwesenden mit den notwendigen klaren Ideen und Enthusiasmus versorgt.

Flo D.
JUSO Baselland

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