Regen, Covid und Repression dämpften die Stimmung am 1. Mai. Doch dass Kampfeslust existiert zeigte sich am zweitägigen Bildungsweekend der marxistischen Strömung Der Funke. 170 Unterstützer und Sympathisantinnen des Funke nahmen an den vier spannenden Workshops der Maischule teil.

Noch bevor die Maischule am Samstag Abend begann, beteiligten sich unsere AktivistInnen an den Demos und Feiern zum Tag der Arbeit. In Genf, Fribourg, Bern, Basel, Zürich, Winterthur und im Thurgau gingen wir mit tausenden anderen Menschen trotz Regenwetter auf die Strasse und argumentierten für die Notwendigkeit des Sozialismus. Dabei konnten wir 355 Exemplare der hundertsten Ausgabe unserer Zeitung verkaufen. Daraus ergaben sich auch noch die letzten spontanen Anmeldungen zur Maischule.

Optimistischer Samstag

Rund 100 Personen wohnten der Eröffnungssession der Maischule am Samstag Abend bei. Wir nutzten die Selbsttests und nicht wenige konnten so die Schule in kleinen Gruppen schauen. Olivia von der Funke-Redaktion machte den Input zur Frage, mit welchem Programm wir aktuell gegen die Krise in der Schweiz kämpfen müssen. Dabei verdeutlichte sie einerseits wie tief und umfassend die Krise des Systems momentan ist. Corona ist nur der Auslöser der Krise, nicht ihre Ursache – wenn auch die Pandemie untrennbar mit der Krise des kapitalistischen Systems verflochten ist und ihr einen ganz eigenen Charakter gibt.

1. Mai: Welches Programm für den Klassenkampf in der Schweiz?

Die soziale Ungleichheit steigt ins Absurde. Während die Blochers in die top ten der Milliardäre aufstiegen, musste ein Viertel der Menschen in der Schweiz auf Erspartes zurückgreifen – sofern sie denn überhaupt welches hatten. Kurzfristig dürfte es zwar zu einer wirtschaftlichen Erholungen kommen. Doch die Situation ähnelt in gewisser Weise den Roaring Twenties, ein spekulatives, blutleeres Auf und Ab. Aber die Party der Reichen war mit dem Crash von 1929 vorbei. Wie alle historischen Vergleiche hat auch dieser seine Grenzen. Heute sind die Mengen an fiktivem Kapital, das die Bürgerlichen ins System pumpen, um es am Leben zu erhalten, viel grösser. Entsprechend viel brutaler wird der kommende Crash als derjenige Ende der Zwanziger.

Im Plenum wie in Kleingruppen wurde intensiv über Olis Referat diskutiert und nach einer Pause setzte Sereina zum Schlusswort des Abends an. Sie erklärte, wieso wir Revolutionäre und Revolutionärinnen optimistisch sind. Dieser Optimismus ist kein blinder Fortschrittsglaube, sondern Vertrauen in die Arbeiterklasse und die Ideen des revolutionären Marxismus. Gerade um im Klassenkampf nicht die gleichen Fehler wie frühere Generationen zu machen, müssen wir aus der Geschichte lernen. Sereina erklärte: «Was den Funke und die IMT ausmacht, ist das Gewicht, das wir der Theorie geben. Denn wir können gute Ideen nur mit einer theoretischen Basis verteidigen.»

Welt in der Krise: Warum wir Revolutionäre optimistisch sind!

Ursprung der Frauenunterdrückung

Am Sonntag Morgen zog der Workshop zum Ursprung der Frauenunterdrückung den Grossteil der Teilnehmer an. In seinem Input erklärte Caspar, wieso diese Frage nicht nebensächlich ist. Denn zu sagen, dass diese Unterdrückung schon immer existiert habe, spielt direkt der herrschenden Klasse in die Hände, die uns die heutige Geschlechterhierarchie als natürlich verkaufen will. Andererseits bestätigen aber auch wissenschaftliche Erkenntnisse der letzten Jahre, dass der Mensch die längste Zeit in Gesellschaften ohne systematische Ungleichheit, Ausbeutung und Diskriminierung lebte. Erst die Sesshaftigkeit brachte die Klassengesellschaft und gleichzeitig die Unterordnung der Frauen mit sich. Marx’ Mitstreiter Friedrich Engels hatte diese Entwicklungen in seinem Buch Der Ursprung der Familie, des Privateigentums und des Staates beschrieben. Wir haben dieses zentrale Werk dieses Jahr neu aufgelegt! Schau in unserem Shop vorbei: www.shop.derfunke.ch

Wie die Frauenunterdrückung entstanden ist

Die Diskussion im Plenum drehte sich unter anderem um die Gewalt an Frauen und die Rolle der Kleinfamilie im Kapitalismus. Das Kapital benutzt die weibliche Hälfte der Arbeiterklasse als konjunkturelle Manövriermasse, die in Krisenzeiten als erste entlassen werden, während sie dann besonders im Haushalt Gewalt und Doppelbelastung ausgesetzt sind. Gegen alle diese Formen von Unterdrückung müssen wir heute gemeinsam als Klasse kämpfen. Dabei helfen uns die postmodernen, identitätspolitischen Methoden jedoch nicht weiter. In den Kleingruppen wurden diese Positionen engagiert diskutiert.

Bosse müssen Demut lernen!

Im parallel stattfindenden Workshop referierte Beat zur Rolle von MarxistInnen in den Gewerkschaften. Diese Massenorganisationen zeichnen sich grundsätzlich durch ihren breiten Zugang aus. Das unmittelbare gemeinsame materielle Interesse der Arbeiterklasse drückt sich darin aus. Beat griff das Beispiel des vertragslosen Zustands der Schreinerbranche auf. Gegen solche Angriffe der Bosse müssen Kämpfe organisiert werden bis zur Übernahme der Betriebe. Angriffe wie dieser werden in der kommenden Zeit nur zunehmen. Eine offensive Strategie ist gefragt. Oder wie es Norin ausdrückte: «Die Chefs teilten uns mit, dass die Coronakrise uns Demut lehrt. Wir sollen froh sein, nicht entlassen zu werden. Es ist Zeit, dass die Bosse Demut vor uns Arbeitern lernen!»

MarxistInnen und Gewerkschaft: Selbstverteidigung gegen die Krise

Doch die jetzigen Gewerkschaftsführungen sind gefangen im Korsett der Sozialpartnerschaft. Die reformistischen Gewerkschaftsführer antworteten auf den Angriff auf die Schreiner denn auch auch mit der Forderung an die Bosse, an den Verhandlungstisch zurückzukehren. So können die Arbeiter ihren Lebensstandard nicht verteidigen. Die Gewerkschaften brauchen eine kämpferische, ja eine marxistische Führung! Wir Marxisten kämpfen darum für den Aufbau einer linken Gewerkschaftsopposition. Denn die Massen an organisierten und unorganisierten ArbeiterInnen den reformistischen Führungen zu überlassen, wäre ein Fehler. Aber wir MarxistInnen dürfen unsere Kräfte ja nicht überschätzen!

Das wäre verheerend und würde gerade unsere Aufgabe untergraben, eine revolutionäre, marxistische Führung der Arbeiterklasse aufzubauen. Martin, Pfleger in Wien und Teil unserer österreichischen Schwesterströmung, erklärte am Beispiel ihres Arbeitskampfs im Spital die Rolle der Marxisten. Wir müssen ehrlich sagen, dass die Gewerkschaften schwächer sind als sie scheinen. Das können nur die Arbeitenden selber ändern. Niemand nimmt ihnen diese Aufgabe ab. Dass die Arbeiter in der Schweiz sich noch nicht ihre Gewerkschaften zurückerobert haben, das darf uns nicht pessimistisch stimmen. Das Bewusstsein ist träge. Aber unter der Oberfläche, unter den Hammerschlägen der Krise, staut sich die Wut auf. Die Arbeiter werden sich bewegen – und sie werden die heute verknöcherten, reformistisch geführten Gewerkschaften aufrütteln. Die kleinen Kräfte der Marxisten können das nicht vorwegnehmen. Unsere Aufgabe ist es, an den Arbeitskämpfen teilzunehmen und die fortgeschrittensten kämpfenden Arbeiter für das Programm der sozialistischen Revolution zu gewinnen. Vor allem ist es unsere Aufgabe, so schnell wie möglich die marxistischen Kräfte aufzustocken, um in Zukunft eine Rolle im Klassenkampf und der Arbeiterbewegung zu spielen. Die Menschen dafür finden wir heute vor allem in der Jugend, dem radikalsten Teil der Gesellschaft.

Aus der Vergangenheit lernen – und in Zukunft gewinnen!

Am Sonntag Nachmittag widmete sich die ganze Schule dem 150. Jubiläum der Pariser Kommune. Dersu stellte eindrücklich dar, wie die Kommunarden kreativ und enthusiastisch in kurzer Zeit Paris umgestalteten: rational und frei von Ausbeutung.

150 Jahre seit der Kommune von Paris: Lektionen für heute

Dass wir Vertrauen in die Kreativität und Kampfkraft der Arbeiterklasse haben können, bewies die Kommune für alle Zeit. Was ihr fehlte, das waren «SpezialistInnen der Revolution», wie Dersu sie nannte: Spezialisten, die vor allem wissen, wie man eine Revolution bis zum Ende durchzieht. In Revolutionen gibt es keinen Mittelweg. Entweder die Arbeiterklasse übernimmt die Macht voll und ganz – auf allen Ebenen der Gesellschaft und schlussendlich auf Weltebene – und installiert den Sozialismus. Oder die Bourgeoisie wird aufs Brutalste zurückschlagen. Die Spezialisten fehlten in der Pariser Kommune. Sie endete in einem Blutbad.

Diese «SpezialistInnen der Revolution» müssen die revolutionären Lehren vergangener Kämpfe in die heutigen Kämpfe einbringen. Genau diese Aufgabe haben sich der Funke, die Schweizer Sektion der International Marxist Tendency, heute gestellt.

Silvan Degen
vpod Region Basel

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