Die Internationale

Geführt von einer roten Flagge, trafen sich am 24. und 25. Oktober über hundert Genossinnen und Genossen aus der Schweiz, Österreich und Deutschland im Kulturzentrum Kreuz Nidau.  GenossInnen der Internationalen Marxistischen Strömung aus London, Italien und Griechenland referierten über die internationale revolutionäre Perspektive und führten einmal mehr vor Augen, warum es wichtig ist, dass wir die Klassenkämpfe auf internationaler Ebene führen.

 

Die Internationale 

Frankenstärke, Gesang und Dialektik

Zwei Tage lang standen Workshops, etwa zu Themen wie „Krise, Frankenstärke und die Schweizer Wirtschaft?“ statt, in dem erläutert wurde, was die Perspektiven für die Zukunft des Schweizer Kapitalismus sind: „Die Krise des Kapitalismus ist nicht vorbei, sie geht weiter und wird sich noch vertiefen. Die Bourgeoisie wird auf verschiedenen Ebenen, an der industriellen und politischen Front, die Konsequenzen der Krise massiv auf die ArbeiterInnen abwälzen.“ Auch wurden die Positionen der Gewerkschaften und der traditionellen Linken kritisch beleuchtet. Die Kämpfe der ArbeiterInnenbewegung werden häufig durch deren Führung gehemmt, weil viele ihrer ExponentInnen wie etwa der Chefökonom des Gewerkschaftsbundes, Daniel Lampart, völlig auf dem Terrain der bürgerlichen Ökonomie stehen und somit nicht einen konsequenten Kampf gegen die Angriffe der Bourgeoisie, sondern eine Strategie der Klassenkollaboration fordern. Das äussert sich zum Beispiel darin, dass Lampart als Antwort auf die Aufhebung des Euro-Mindestkurses nur Appelle an die Nationalbank von sich gibt. Es ist allerdings fahrlässig nur festzustellen, dass man kampfunfähig ist und dann Appelle an die Bürgerlichen zu richten. Nun besteht die absolute Notwendigkeit, sich in den Betrieben zu verankern, um wieder streikfähig zu werden. Diese Aufbauarbeit braucht es, um den Lebensstandard der ArbeiterInnenklasse gegen die Angriffe der Bourgeoisie zu verteidigen.?

 Krise, Frankenstärke und die schweizer Wirtschaft

Am Sonntagmorgen bei schönem Sonnenschein und revolutionärer Stimmung, nach einem Samstagabend mit lautstarkem Gesang von Arbeiterliedern, konnten weitere Workshops wie „Italien und das Versagen der Linken“ und „Dialektik und Entwicklung des Bewusstseins“ besucht werden. Folgend einige Eindrücke.

 

Für Italien ist vor allem die politische Schwäche der Bürgerlichen wichtig, die historisch bedingt nach wie vor keine einheitliche starke Partei errichten konnten. Sie mussten sich auf die Christdemokraten und einen ausgedehnten Sozialstaat stützen, um die starke kommunistische Bewegung in Schach zu halten. Die Kommunistische Partei trat schliesslich bei einer zugespitzten sozialen Situation in den 70ern in die Regierung ein und stützte so den Kapitalismus. Dies führte zu einer starken Schwächung der Linken, welche dadurch  in einen bis heute extrem unorganisierten Zustand zurückgeworfen wurde.

 

Beim exzellenten Vortrag über die Dialektik des Bewusstseins konnten man lernen, wie sich das Bewusstsein der Massen entwickelt, wie ein Klassenbewusstsein entstehen kann und welche Rolle dabei den Organisationen der ArbeiterInnenklasse, und besonders ihrer Führung, zukommt. Fragen, welche heute von grösster Relevanz sind – oder wie Trotzki es gesagt hat: „Die geschichtliche Krise der Menschheit läuft auf die Krise der revolutionären Führung hinaus.“

 

Apropos Krise der Führung: Auch zu Griechenland berichtete ein Gast unserer dortigen Schwestersektion über die Prozesse und die zukünftigen Perspektiven der Griechischen Revolution nach dem Verrat von Tsipras. Ein wichtiger Faktor könnten in der Zukunft die Kämpfe um die Zwangsräumungen von Wohnungen sein, um die sich bereits in Spanien eine mächtige Widerstandsbewegung aufgebaut hatte.

 

Eine grosse Bereicherung für alle

Für alle GenossInnen gab es Themen zur Auswahl, bei denen man Neues entdecken konnte. Dadurch konnten sich auch weniger hartgesottene MarxistInnen einfach integrieren und politisch einen Schritt vorwärts machen. Das Gelächter und die spannenden Diskussionen unter den Teilnehmenden waren nicht zu überhören, denn durch dieses Treffen konnten sich neue und ältere Mitglieder aus der ganzen Schweiz untereinander kennenlernen und austauschen. Zudem mangelte es nicht an italienischer, deutscher und französischer Literatur, die an viele interessierte LeserInnen verkauft wurde. Das Highlight war hierbei die druckfrische Neuauflage des Buches „Die Dritte Front“ von Willi Münzenberg, das im eigenen Druckverlag erschien. Es war ein Erfolg –  dank allen GenossInnen und den OrganisatorInnen, den Interessierten und den hoffentlich neuen Mitgliedern!

 Willi Münzenberg - Die Dritte Front

Am Sonntagabend machten sich viele GenossInnen voller Zuversicht und mit gekaufter Literatur, neuen Bekanntschaften, Müdigkeit und vielen tollen Eindrücken auf die Heimkehr in alle Richtungen der Schweiz und darüber hinaus.

 

Mit Freude erwarten wir das nächste Treffen, um Neues zu lernen und zu erleben. Hoffentlich mit noch mehr GenossInnen, darunter auch du, denn wie auch an dieser Herbstschule stets betont wurde, braucht es diese organisierte Kraft, um den Kampf der Arbeitenden und der Jugend gegen ihre Ausbeuter zu gewinnen.

 

Hoch die internationale Solidarität!

 

Jela Alisa
L’étincelle Genf

 

 

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