Am 8. März ist der internationale Frauentag. Ein Tag zum Kämpfen oder ein Tag zum Feiern? Der Blick in die Geschichte macht’s klar.

Heute wird der Tag von bürgerlichen FeministInnen genutzt, um bisherige Errungenschaften zu feiern und sich an bisherige Kämpfe zu erinnern. Denn ursprünglich war der 8. März ein Tag für Kampf und Aktion. Das brauchen wir auch heute noch, denn der Kampf gegen die Frauenunterdrückung ist nicht zu Ende. Wenn wir die Geschichte anschauen, dann sehen wir: für Verbesserungen brauchen wir Kämpfe, das gilt auch heute noch!

Entstehung


Der Anstoss für den Frauenkampftag kam von Clara Zetkin, welche den Vorschlag erstmals 1910 an der Internationalen Sozialistischen Frauenkonferenz einbrachte. Sie war eine deutsche kommunistische Politikerin, in der SPD aktiv und arbeitete zusammen mit Rosa Luxemburg und Lenin.

Der ursprüngliche Name lautete «Internationaler Tag der arbeitenden Frauen». Er fand zum ersten Mal am 19. März 1911 statt, mit über eine Million TeilnehmerInnen in verschiedenen europäischen Ländern. Es war ein sozialistischer Event, der zum Ziel hatte, gleiche Rechte zu erkämpfen, wie das Frauenwahlrecht, das Recht auf Arbeit für Frauen und gleiche Lohnrechte. Damals war die rechtliche Ungleichheit sehr extrem, teilweise gab es für Frauen gar kein Recht, einer Arbeit nachzugehen – zumindest nicht, solange ihr Ehemann nicht zustimmte. Wenn doch, dann gab es klare Lohnklassen für Männer und Frauen, also gesetzlich festgeschriebene Lohnunterschiede. Es gab schlechter bezahlte Frauenberufe und Berufe, die Frauen ausdrücklich nicht offenstanden.

Ziel des Frauenkampftages war es aber auch, den Kampf für diese Rechte und für die Gleichstellung der Frau mit dem dafür absolut notwendigen Sturz des Kapitalismus zu verbinden. Es war ein Tag, um die arbeitenden Frauen für diesen Kampf zu mobilisieren und zu organisieren.

Kampf gegen bürgerlichen Feminismus

Mit dem Frauenkampftag grenzten sich die sozialistischen arbeitenden Frauen auch klar von den feministischen Bewegungen im frühen 20. Jahrhundert mit meist bürgerlichen Frauen ab. Diese waren weniger kämpferisch und konzentrierten sich fast ausschliesslich auf das Wahlrecht für Frauen als Ziel. Später (und heute) konzentrieren sie sich oft sehr prominent auf mehr Frauen in Chefetagen und wichtigen Positionen, auf Quoten.

Rechtliche Gleichstellung ist sehr wichtig, gerade auch das Frauenwahlrecht. Aber das und Repräsentation alleine reichen nicht aus für die Befreiung aller Frauen. Denn arbeitende Frauen hatten und haben noch viele weitere Probleme. Heute sind Frauen in vielen Ländern rechtlich gleichgestellt was die Arbeit angeht, aber Lohnungleichheit gibt es immer noch. Die Kinderbetreuung wirkt oft limitierend. Kitaplätze sind knapp und teuer. Dadurch gehen Frauen tendenziell weniger einer Arbeit nach oder arbeiten nur Teilzeit. Folglich sind viele Frauen auch heute noch finanziell abhängig von ihrem Ehemann oder Partner. Das verschlimmert wiederum das Problem der Gewalt in Beziehungen, da es für die betroffenen Frauen schwieriger ist, eine solche Beziehung zu verlassen.

Die ökonomische Ungleichheit, die dem zugrunde liegt, muss verschwinden. Das ist nur mit dem Ende des Kapitalismus möglich.

Russische Revolution 1917

1917 bewirkte der Tag genau dies: Die Russische Revolution brach am Frauenkampftag aus. In Petrograd demonstrierten arbeitende Frauen für ein Ende des Krieges, ein Ende der Lebensmittelknappheit und ein Ende des Zarenregimes. Dass die Russische Revolution am Frauenkampftag ausbrach, war kein Zufall. Wenn Frauen sich organisieren und in den Kampf treten, so kämpfen sie meist sehr entschlossen.

In den ersten Jahren nach der Revolution gab es in Russland grosse Fortschritte für die Frauen, und allgemein in der Emanzipation. Es gab Komitees, um die Frauen weiter zu organisieren. Viele neue Rechte, wie das Wahlrecht oder das Recht auf Scheidung, wurden durchgesetzt; Homosexualität wurde entkriminalisiert und Abtreibungen legalisiert. Besonders wichtig waren die Bemühungen, Kinderbetreuung und Verpflegung öffentlich zu organisieren, damit diese Last nicht mehr alleine Frauen aufgebürdet wurde und sie so ebenfalls einer Arbeit nachgehen und unabhängig leben konnten. Mit Stalins Machtübernahme wurde dieser Emanzipationsbewegung ein Ende bereitet und vieles, wenn auch nicht alles, wurde rückgängig gemacht.

Die Geschichte zeigt uns: Wir dürfen nie aufhören zu kämpfen, sonst können wir bereits Gewonnenes wieder verlieren. Die Befreiung aus der Ungleichheit (rechtlich und ökonomisch) erfolgt nicht einfach so, sondern durch die gemeinsame Organisierung und den Kampf. Der 8. März ist der Kampftag der arbeitenden Frauen, die keine LobbyistInnen in Bern haben und durch eine Verwaltungsratsquote nichts gewinnen. Der Kampf für die Frauenbefreiung ist der Kampf für den Sozialismus und der Kampf für den Sozialismus ist der Kampf für die Frauenbefreiung!

Anina D.
JuSo Stadt Bern

Bild: Der Funke

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