Seit zwei Wochen streiken die LieferantInnen bei Smood. Zuletzt behauptete das Unternehmen in einem Interview, einen echten Streik gebe es nicht, alles sei von der UNIA orchestriert und die Arbeitsbedingungen hätten sich gar nicht verschlechtert. Der Funke besuchte jedoch am selben Abend den Streikposten in Nyon und überzeugten uns vom Gegenteil. Wir rufen alle ArbeiterInnen und Jugendlichen auf, sich mit dem Streik bei Smood zu solidarisieren!

Acht junge ArbeiterInnen gingen in ihren Smood-Uniformen und mit der UNIA am 11. November in Nyon vor den Subway und hielten PassantInnen an. Sie erzählten ihnen von ihren Arbeitsbedingungen und ihren Streikgründen, um sie dazu zu bringen, eine Petition zu unterschreiben und so ihren Kampf zu unterstützen.

Es war ihr offensichtliches Bedürfnis, endlich offen über die Ungerechtigkeiten zu sprechen, die ihnen angetan wurden. Ermutigend ist die Ausbreitung des Streiks auf andere Städte: Am selben Abend traten über 20 weitere Smood-Arbeiter in Lausanne in den Streik. Zwei Lieferanten aus Genf waren ebenfalls anwesend, um ihre KollegInnen in Nyon zu unterstützen. Jeden Tag schliessen sich neue Beschäftigte dem Streik an: Inzwischen sind auch die ArbeiterInnen in Fribourg und Genf dem Kampf beigetreten.

Von der Spaltung zur Solidarität im Kampf

Die Arbeitsbedingungen bei Smood sind miserabel, die Forderungen klar: Frühzeitige Mitteilung der Arbeitszeiten, Lohn für alle geleisteten Arbeitsstunden und Entschädigung für die Benutzung des eigenen Fahrzeugs (hier das Interview mit dem Gewerkschaftssekretär, der für den Streik in der Westschweiz verantwortlich ist). Die Beschäftigten sprechen offen davon, wie sehr sie unter ihren Arbeitsbedingungen leiden, die sich in den letzten Monaten nochmals deutlich verschlechtert haben. Besonders schwer wiegt die Ungewissheit und der Mangel an Transparenz in Bezug auf ihre Bezahlung. Einerseits erhalten sie keinen Überblick mehr über die Höhe der Trinkgelder, die sie erhalten, oder über die Anzahl der Stunden, die tatsächlich für ihre Tätigkeit berechnet werden. Andererseits bemängeln sie, dass sie für den Transport und den Verschleiss des eigenen Fahrzeugs nicht ausreichend bezahlt werden –– einige Beschäftigte berichten sogar, dass sie dafür überhaupt nicht entschädigt werden. Sie erklären, dass Arbeitsstunden einfach von ihren Gehaltsabrechnungen verschwinden. Für mehrere Beschäftigte vor Ort bedeutet dies, dass ihnen am Monatsende bis zu 1’000 Franken fehlen.

Ein streikender Arbeiter erzählt uns, dass die gesamte Betriebsorganisation bei Smood auf der Spaltung und dem Wettbewerb zwischen den ArbeiterInnen beruht. Sie werden nur für die Mahlzeiten bezahlt, die sie tatsächlich ausliefern, was bedeutet, dass sie alle die höchste Anzahl an Lieferungen erreichen wollen – im Wettbewerb gegen ihren KollegInnen. Im Kampf hingegen gibt nicht einen Deut dieser Konkurrenz: Die Smood-Beschäftigten sagen, dass sie nicht nur für ihre eigenen Arbeitsbedingungen, sondern dass sie aus Solidarität für alle Smood-Beschäftigten kämpfen: für diejenigen, die ihre Familien ernähren müssen, oder auch für diejenigen, die vielleicht in Zukunft bei Smood arbeiten werden. Ein Streikender, der anwesend war, drückte dies auf wunderbare Weise aus: «Heute hat mir dieser Kampf mit der UNIA dieses Lächeln zurückgegeben, diese Freude am Leben und an der Verteidigung der Interessen, die wir alle haben».

Der Streik verbreitet sich wie ein Lauffeuer

Der Kampf und die Organisation der Beschäftigten von Smood beweisen, dass es selbst in prekären Branchen und in Branchen, die als «unabhängig» gelten, möglich ist, sich zu organisieren und kollektiv zu kämpfen. Der Streik übt eindeutig Druck auf Smood aus: Je weiter sich der Kampf ausbreitet, desto weniger ArbeiterInnen können sie an anderen Standorten mobilisieren, um die Streikenden zu ersetzen. Den einspringenden Zustellern wird sogar ein höherer Lohn und die Erstattung ihrer Fahrtkosten angeboten. Die UNIA geht mit den richtigen Linien in den Kampf: Sie mobilisiert immer mehr LieferantInnen für den Streik, weitet den Kampf auf mehr Städte aus und öffnet ihren Streikkasse, um die Streikenden während des Kampfes finanziell zu unterstützen.

Am Streikposten besonders beeindruckend sind jene Streikenden, die jeden Abend mit viel Energie und Enthusiasmus auf der Strasse stehen, mit den PassantInnen diskutieren und versuchen, ihre KollegInnen in den Kampf zu ziehen. Die Streikenden sammeln in diesem Kampf sehr wertvolle Erfahrungen und weisen zu Recht darauf hin, dass ohne sie bei Smood nichts läuft – sie sind es, die das Essen ausliefern und das Unternehmen am Laufen halten.

Das Management von Smood startete eine arrogante Offensive gegen die Streikenden und die UNIA und diffamierte den Streik mit Aussagen wie: «Smood missbilligt die Methoden der Gewerkschaft Unia, die eher auf Destabilisierung als auf die Einleitung eines sozialen Wandels abzielen. Wir reagieren nicht auf ihre derzeitige Art, einen Wirbel zu entfachen, um Aufmerksamkeit zu erregen». Smood will derzeit einen GAV mit Syndicom aushandeln, aber eben mit den aktuellen Arbeitsbedingungen. Der explosive Streik zeigt, dass die ArbeiterInnen viel mehr brauchen und dass sie verstanden haben, dass sie das nur durch Kämpfe erreichen können. Selbst um Minimalforderungen wie die vereinbarte Bezahlung für tatsächlich geleistete Arbeit zu erringen bedarf es der direkten Konfrontation mit den Bossen und des gemeinsamen Kampfes für die Interessen der Lohnabhängigen.  Das muss die Syndicom-Führung – die den GAV mit Smood unterzeichnen will – unbedingt begreifen. Der Kampf zahlt sich aus!

Volle Solidarität mit den Streikenden bei Smood!

Lukas Nyffeler und Sereina Weber, der Funke Genf

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