Ein Handwerker erzählt von seinem Arbeitsalltag, dem Unmut und der Verunsicherung durch die widersprüchlichen Massnahmen des Bundes.

Fühlst du dich vom Bundesrat geschützt?

Das kommt ganz darauf an in welcher Beziehung. Privat fühle ich mich von den Maßnahmen des Bundes einigermaßen geschützt. Beruflich leider überhaupt nicht. Ich meine, in den Einkaufsläden, dem ÖV oder sonst auf der Straße wird penibel darauf geschaut, dass der Sicherheitsabstand von zwei Metern eingehalten wird, zum Teil sogar mit Hilfe der Polizei. Auf der Baustelle gelten aber auf einmal andere Regeln, da dürfen wir, wenn es nicht anders geht, für maximal 15 Minuten den Sicherheitsabstand vernachlässigen. Ich komme mir wie in zwei verschiedenen Welten gefangen vor: Von 7.00 Uhr bis 17.00 Uhr ist Corona nicht so schlimm und den Rest vom Tag muss ich dann enorm aufpassen?   Alle wissen auch, wieso das BAG das so mit dieser Klausel gemanagt hat: Weil sonst die Schweiz alle Baustellen sofort schließen müsste, da der Sicherheitsabstand auf der Baustelle nicht realisierbar ist. Es geht also um die Wirtschaft.

Hast du das Gefühl, dass genügend oft, verständlich und transparent informiert wird?

Ich denke, der Bund und das BAG hätten schneller Informieren sollen. So habe ich die eigentliche Problematik des Virus nicht von Anfang an verstanden und habe alles für übertrieben befunden. Was mich aber auch noch stört, ist, dass immer erst am Freitag um 16.00 Uhr über die Maßnahmen des Bundes informiert wurde. Zum Beispiel als bekannt gegeben wurde, dass die Schulen geschlossen werden, mussten dann viele Lehrer und Schulen sich bis spät am Abend noch organisieren und die Eltern informieren. Aber auch für viele Firmen war das nicht ganz einfach zu handhaben.

Rubrik: Virus at Work

Wir veröffentlichen Berichte aus dem Alltagsleben der Lohnabhängigen, die trotz dem Coronavirus zur Arbeit gehen müssen – unabhängig davon, ob ihre Arbeit lebensnotwendig ist oder nicht. Dies soll aufzeigen, wie inkonsequent die Massnahmen des Bundes sind. Die Corona-Krise soll nicht auf den Schultern der Lohnabhängigen abgewälzt werden!

Wir fordern, dass alle, die nicht-essentielle Arbeit machen müssen, zu Hause bleiben dürfen. Nur so kann die Pandemie eingedämmt werden. Leben vor Profite!

Wenn du auch deine Geschichte erzählen möchtest, meldet dich bei info@derfunke.ch. Es ist wichtig zu streuen, wie fahrlässig mit unserer Gesundheit umgegangen wird! Schreib uns, schick uns zwei oder drei Sätze, ausführliche Berichte, oder melde dich, wenn du dies persönlich besprechen willst!

Wie erlebst du die Stimmung mit deinen Kollegen? Was beschäftigt euch im Team?

Viele sind verärgert und wissen nicht ganz genau, wie sie sich verhalten sollen. Einige haben Freunde, Verwandte oder den Partner oder die Partnerin, die zur Risikogruppe gehören, und wissen nicht genau, was die Möglichkeiten sind, um diese zu schützen. Es gibt aber auch Leute, die zur Risikogruppe gehören, die selber noch arbeiten kommen. Ich denke, viele werden in die missliche Lage gebracht, entweder sich selbst und ihre Mitmenschen zu gefährden oder ihre Loyalität gegenüber dem Arbeitgeber auf die Waagschale zu legen. Die Stimmung ist betrübt.

Zum Schutz der Autoren werden die Berichte anonymisiert. 

#VirusAtWork

#WirWollnNachHauseGehn

Print Friendly, PDF & Email
Das Schreiben und Rechechieren für unsere Artikel kostet Geld. Dabei sind wir auf deine Unterstützung, als LeserInnen und UnterstützerInnen angewiesen. Wenn dir dieser Artikel gefallen hat, zögere nicht und lass uns deine Solidarität und Unterstützung spüren. Ob gross oder klein, jeder Betrag hilft und wird geschätzt.


Der Funke
IBAN: CH39 0900 0000 8563 7568 1
Postkonto Nr.: 85-637568-1
Bezahlungsvermerk: Spende Web

Spende
Other Amount:

Print Friendly, PDF & Email