Es gibt keine Vergleiche. Auch wenn man sie sucht. Die Krise, in die wir schlittern, kennt in der Geschichte keine Parallele. Wieso bringt uns der Kapitalismus in diese ausweglose Situation? Und wieso kennt die Klasse der Lohnabhängigen trotzdem einen Ausweg?

Der Konjunktureinbruch im Frühjahr war brutal. Die Arbeitslosigkeit schnellte überall in die Höhe. In Süditalien gab es Supermarktplünderungen – wegen Hunger. In Genf und Zürich kilometerlange Schlangen vor Essensausgaben. Auslöser war das Virus. Doch die Ursache der Krise liegt im System selber, in der Funktionsweise des Kapitalismus. Innerhalb der kapitalistischen Produktionsweise (siehe Kasten) gibt es keinen Ausweg. 

Wir erleben gerade, wie die Wissenschaft beweist, dass sie in Rekordzeit einen Impfstoff entwickeln kann. Gleichzeitig müssen wir zuschauen, wie dieses Wunder der Wissenschaft nicht zum Wohle der Menschen eingesetzt wird. Im Kapitalismus löst es eine Brechreizerregende Spekulationsorgie auf die Aktien der Pharmaunternehmen aus. Und schlussendlich wird sich ein Grossteil der Weltbevölkerung die Impfung nie leisten können. Denn die Impfung ist eine Ware, produziert für den maximalen Profit.

«Und warum? Weil [die Gesellschaft] zuviel Zivilisation, zuviel Lebensmittel, zuviel Industrie, zuviel Handel besitzt.»

Marx & Engels

Überproduktion: Der Wurm im System 

Das ist nur ein Beispiel von vielen. Die Gesellschaft konnte noch nie so viel produzieren wie heute, die Wissenschaft war noch nie so weit entwickelt. Und trotzdem können die PolitikerInnen und KapitalistInnen der Wirtschaftskrise nichts entgegensetzen. Hunger und Elend werden bereits heute zum Alltag für Millionen. 

Die wirkliche Ursache der Krise ist die Überproduktion. Das ist eine Krankheit, die notwendigerweise zum Kapitalismus gehört. Schon immer. Die Konkurrenz auf dem Markt zwingt die Kapitalisten, ihre Produktion fortwährend auszubauen und zu entwickeln. Doch dem steht ein begrenzter Markt und ein begrenzter Konsum gegenüber. Die Lohnabhängigen erschaffen den ganzen Wert. Die Kapitalisten geben ihnen aber nur einen viel kleineren Teil dieses Werts in der Form des Lohns zurück. Sonst könnten sie schliesslich keinen Profit machen. Genau darum dreht sich das ganze System. Das ist auch die Erklärung für die extreme Ungleichheit, welche heute herrscht. 

Die Folge davon ist paradox: Die Lohnabhängigen können Waren im Überfluss produzieren, haben aber nicht genug Geld, sie auch zu kaufen. Doch ohne Verkauf, keine Profite. Deshalb kommt es periodisch zu Krisen. 

Sozialismus oder Barbarei

Die weltweite Arbeiterklasse kennt jedoch einen eigenen Ausweg: den Sozialismus. Wir stützen uns auf das Potenzial, das im Schosse des Kapitalismus bereits herangewachsen ist. Erstens auf den heutigen Stand der Wissenschaft, Technik und Produktivität. Zweitens auf die zahlenmässig grösste und am besten ausgebildetste Arbeiterklasse, die diese Welt je gesehen hat. Und drittens darauf, dass die Arbeiterklasse die Fähigkeit besitzt, die gesamten Produktionsmittel selber zu verwalten, zu planen und zum Wohle der Menschheit einzusetzen. Dann können alle heute bekannten Schranken niedergerissen werden. Doch dafür müssen sie von den Fesseln des Kapitalismus befreit werden.

Die ersten beiden Bedingungen sind erfüllt. Die dritte jedoch erfüllt sich nicht von alleine. Denn sie hängt vom bewussten Eingriff der lohnabhängigen Klasse in den Lauf der Geschichte ab. Eine Mehrheit der Klasse braucht den Willen, die heiligen Regeln des Kapitalismus zu brechen.

Produktionsweise
Als Produktionsweise verstehen wir die Art und Weise, wie eine Gesellschaft alle Arbeit organisiert, welche zum Überleben und zur Bedürfnisbefriedigung ihrer Mitglieder notwendig ist. Früher gab es antike und feudale Produktionsweisen. Heute sind wir im Kapitalismus. Speziell daran ist, dass die ganze Gesellschaft (und damit fast alle sozialen Interaktionen) rund um den Markt, die Waren und den Profit aufgebaut sind. Im Kapitalismus wird nicht produziert, um menschliche Bedürfnisse zu befriedigen. Es wird einzig produziert, um Profit zu machen.

Die revolutionäre Organisation aufbauen

Viele sind mit uns einverstanden, dass der Zwang zum Profit für viele Katastrophen verantwortlich ist. Doch dass die Gesellschaft von diesem Zwang befreit werden muss, damit die Arbeiterklasse überhaupt eine würdige Zukunft hat und dass dies möglich und realistisch ist, das sehen heute die meisten noch nicht.

Doch was das Bewusstsein der Lohnabhängigen angeht, stehen wir vor einem Epochenwandel. Wie Marx es schön auf den Punkt gebracht hat, beeinflusst das gesellschaftliche Sein das Bewusstsein. Die Krise zerstört für viele jede Chance auf eine sichere Zukunft. Damit werden zunehmend alle Selbstverständlichkeiten in Frage gestellt.

Das entscheidende Problem der Epoche ist jedoch, dass heute eine Kraft fehlt, die den Massen eine realistische Alternative zum Status Quo aufzeigt. Es gibt keine revolutionäre Partei. Das können wir kurzfristig nicht ändern. Was wir aber tun können, ist uns gemeinsam mit denen zu organisieren, die diese historische Notwendigkeit bereits erkannt haben und eine Basis für eine solche Partei legen.

Wer, wenn nicht wir?

Die Herrschenden haben keine Alternative. Wir – die Lohnabhängigen und ihre Jugend – sind die Alternative. Wir sind die Generation, die am meisten unter dem Kapitalismus leidet. Und wir sind die Generation, welche die Widersprüche des Kapitalismus, das Profitmotiv, das Privateigentum und die Nationalstaaten, zerstören werden. Darauf müssen wir uns heute vorbereiten und eine Organisation aufbauen, die sich diesen Kampf auf die Fahnen geschrieben hat. Doch das können wir nicht alleine. Setz auch du dich für diesen Kampf ein! Denn es ist der dringendste Kampf der Menschheit.

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