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ei den Basler Verkehrsbetrieben (BVB) häufen sich Krankheitsfälle, das Vertrauen in die Direktion ist im Keller. Dies ist das direkte Resultat der Sparmassnahmen, die auf dem Rücken der Angestellten umgesetzt werden. Über die Auswirkungen im Berufsalltag und darüber, was sich aus ihrer Sicht ändern muss, haben wrid uns mit Angestellten der BVB unterhalten.

Die Basler Regierung hat von den BVB Sparmassnahmen in der Höhe von einer Million Franken pro Jahr gefordert. „Um konkurrenzfähig zu bleiben“ hat die Direktion und der Verwaltungsrat daraufhin ein Sparprogramm im Wert von 5 Millionen Franken zu verabschiedet. Für die Beschäftigten ist dies im Alltag unmittelbar spürbar.

Drei Drämler (die anonym bleiben wollen) berichten von der Umstellung: „Mit dem neuen Arbeitszeitreglement ist die Motivation, freiwillig Überstunden zu machen im Keller. Neu werden Überstunden ausbezahlt statt kompensiert, Dienste abtauschen ist nicht mehr möglich. Die Fahrer sind jetzt selbst dafür verantwortlich, dass sie die Gesamtarbeitszeit einhalten. Wenn es zu viel Personal hat, werden nur kurze Schichten vergeben, dann hat man zu wenige Stunden und muss am freien Tag arbeiten gehen.“

Doch es betrifft nicht nur die Tram- und Busführer. Ein Arbeiter aus der Werkstatt berichtet von der Umstellung auf die Taktfertigung: „Jeden Tag wird ein Modul revidiert. Aber das ist gar keine richtige Revision mehr. Es wird bei der Sicherheit des Rollmaterials gespart .“ Ein Bestandteil der Sparmassnahmen ist das Coachingprogramm Avanti. „Alle müssen an Avanti Workshops teilnehmen. Da werden nicht erreichbare Ziele vereinbart. Wenn diese dann nicht erreicht werden, wird das benutzt um uns fertig zu machen . Auch wer etwas schlechtes gegen Avanti sagt, wird mit allen Mitteln fertig gemacht.“

Im Gespräch wird auch deutlich, dass dies nur der Gipfel einer langen Reihe von Verschlechterungen ist. Seit der Umwandlung der BVB in ein öffentlich-rechtliches Unternehmen werde die Situation von Jahr zu Jahr schlechter. Jede neue Direktion versuche ein eigenes Konzept umzusetzen. Dabei gehe es meistens darum, die Personalkosten zu senken. Das Betriebsklima wurde dadurch stetig verschlechtert. „Früher hiess es Personalabteilung, heute Human Resources. Wir sind menschliche Ressourcen.“ Auch der Zusammenhalt der Belegschaft sei dadurch kleiner geworden.

Heute ist jeder für sich
Mittlerweile wird auch über einen Streik als Massnahme gesprochen, denn „es kocht“ unter den Beschäftigten. Dennoch sehen die Personalverbände zu diesem Zeitpunkt von einem Streik ab, denn momentan gibt es drei konkurrenzierende Personalverbände. „Teile und herrsche“ sei die Devise. Für einen erfolgreichen Streik brauche es klare, gemeinsame Forderungen. Die Rückweisung der Sparmassnahmen ist zwar eine solche Forderung, doch momentan liegen Eingaben der Personalverbände gegen die Sparmassnahmen beim Verwaltungsrat und der Regierung. Wenn gestreikt würde, bevor diese Eingaben beantwortet werden, riskiere man, isoliert zu bleiben.

Andere wenden dagegen ein, dass sich sehr viel Wut aufgestaut habe. Wenn ein Personalverband zum Streik aufrufe, könne dies die Kollegen der anderen Verbände, so wie die nicht Organisierten mitreissen. Denn klar ist für alle: Tragbar ist diese Direktion schon lange nicht mehr!

Arbeit muss Freude machen

Einem blossen Wechsel an der Unternehmensspitze stehen die Kollegen im Gespräch skeptisch gegenüber. „Wenn die jetzige Direktion weg ist, kommt einfach der nächste Manager Typ, ein neues Gesicht, aber sonst ändert sich nichts. Unsere einzige Chance ist die Wiedereingliederung zu einem Staatsbetrieb, verbunden mit einem klaren Auftrag an die BVB. Wir wollen der Bevölkerung eine gute Dienstleistung anbieten, mit sicheren Fahrzeugen. Wir wollen Arbeit, die uns Freude macht und nicht krank.“

Streiksbeim öV: DasBeispiel Genf
„In der Schweiz streikt man nicht,“ so die öffentliche Wahrnehmung. Trotzdem zeigen Beispiele in der jüngeren Vergangenheit das Potential für Streiks im öffentlichen Dienst. Ende 2014 drohten den Genf er Verkehrsbetrieben der Abbau von 131 Stellen, die Regierung verweigerte Verhandlungen. Aus diesem Grund beschlossen die GewerkschafterInnen des SEV einen 24-stündigen Streik. Zwei kleinere Gewerkschaften riefen ihre Mitglieder offen zum Streikbruch auf. Doch die Streikenden blockierten zwei Depots um die Trams und Busse an der Ausfahrt zu hindern. Konfrontiert mit den starken Streikposten schlossen sich die ArbeiterInnen der anderen Gewerkschaften dem Streik an. Die Minderheitsgewerkschaften sahen sich gezwungen, den Streik in letzter Minute zu unterstützen. Während 24 Stunden war der ganze öffentliche Verkehr lahmgelegt. Doch noch immer verweigerte die Regierung Verhandlungen. Als Reaktion setzten die Arbeiterinnen der Genfer Verkehrsbetriebe einen Termin für einen zweiten, unbefristeten Streik fest, worauf die Regierung zwei Tage vor Streikbeginn Verhandlungen einleitete. Diese Erfahrung zeigt klar: Kämpfen lohnt sich!

 

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