Letzte Woche wurde VPOD-Sekretär Benjamin Plüss zum Präsidenten des Basler Gewerkschaftsbundes (BGB) gewählt. Die Verjüngung an der Spitze stellt keinen Neuanfang dar. Dieser ist aber dringend nötig.

Sein erstes Interview gab Plüss der Zeitschrift «unternehmen» der Gruppe23, einem Wirtschaftsverband, dessen Ziel ist, «das Bewusstsein für die fundamentale Bedeutung des Unternehmertums für die Gesellschaft und den Wohlstand in unserem Land» zu fördern. Gemäss sämtlichen online verfügbaren Zahlen leiden die Basler Gewerkschaften seit der Jahrtausendwende unter Mitgliederschwund. Ein wohlwollendes Interview mit einem politisch unbedeutenden KMU-Verein wird diesen Trend nicht ändern. 

Dazu braucht es eine breit angelegte Kampagne, um unorganisierte ArbeiterInnen insbesondere in prekären Berufen zu organisieren. Benjamin Plüss hat gemäss eigenen Angaben lange in der Gastronomie gearbeitet. Wo bleibt sein Bewusstsein für die prekären Arbeitsbedingungen im Service? Wie werden die BGB-Gewerkschaften unter seinem Präsidium in der Pflege «für gute Arbeitsbedingungen sorgen?» 

Raus aus der Bittsteller-Rolle
Der BGB nimmt für sich in Anspruch für ArbeiterInnen in KMU-Betrieben (immerhin zwei Drittel der Beschäftigten im Kanton) zu sprechen. In der Realität nehmen diese jedoch vom BGB keine Notiz. Das ist das Resultat der sozialpartnerschaftlichen Orientierung, welche die Interessen der Beschäftigten mit einem positiven Betriebsergebnis gleichsetzt.

Gewerkschaften sind keine mittelalterlichen Zünfte, wo Meister und Gesellen – sprich Unternehmer und ArbeiterInnen – gemeinsam vertreten waren. Mit der Gleichsetzung der Interessen wird der Selbstaktivität der Lohnabhängigen jede Notwendigkeit und Legitimität abgesprochen.

Die Demobilisierung der Gewerkschaftsbasis ist der Grundstein der Sozialpartnerschaft und der wichtigste Grund, warum diese die Interessen nicht vertreten kann. In jedem Streik zeigt sich das: Die Patrons fordern stets, dass zuerst die Arbeit wieder aufgenommen und dann verhandelt wird. Doch genau dies schwächt die Verhandlungsposition. Die organisierten ArbeiterInnen können dann am meisten erreichen, wenn sie die Kontrolle über den Betrieb effektiv in den Händen halten. Solange es nicht zum Kampf kommt, ist die Vorstufe dazu, die Organisierung in gewerkschaftlichen Betriebsgruppen. Diese können dann rasch zur Aktion schreiten und so viel mehr Druck ausüben als eine sozialpartnerschaftliche Verhandlung (allein). GewerkschafterInnen, die den KMUlerInnen in den Arsch kriechen und denken, so Arbeitsplätze erhalten zu können, sind auf dem Holzweg. Es ist die Aufgabe der Gewerkschaften, die Lohnabhängigen dabei zu unterstützen, ihre eigenen Interessen durchzusetzen.

Wo Arbeitskämpfe stattfinden, sollen die Gewerkschaften diese aktiv unterstützen und Solidarität in den Betrieben der Branche und der Region organisieren. Dabei können wir uns nicht auf Verhandlungen zwischen den Sozialpartnern beschränken. Heute ist die Aufgabe der Gewerkschaften nicht, alte und limitierte Traditionen zu pflegen, sondern eine neue Kampftradition zu entwickeln. Die Chefs sind immer weniger bereit, Zugeständnisse zu machen. Eine Gewerkschaft, die dafür sorgen will, «dass die Arbeitsbedingungen stimmen», muss streikfähig sein und im Konfliktfall davon Gebrauch machen.

Mitte August kündigte Manor Basel, wo gemäss bz in den letzten fünf Jahren 40% des Personals abgebaut wurde, eine weitere Massenentlassung an. Angesichts der Wirtschaftskrise stehen uns Weitere bevor. Wenn der Umsatz nicht mehr stimmt, denken die Kapitalisten nur an sich. Sie lassen sich nicht vom Argument überzeugen, gute Arbeitsbedingungen seien auch in ihrem Interesse. Bei dieser Zukunftsperspektive ist es verderblich, weiter zu fahren wie bisher. Die Gewerkschaften müssen den Lohnabhängigen einen Grund geben, ihnen beizutreten. Das kann heute nur sein, das Vertrauen aufzubauen, dass man keine Kündigung und keinen Lohnabbau hinnimmt.

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