«Die Oktoberrevolution hat das Fundament zu einer neuen Kultur gelegt, berechnet für alle, und gerade darum hat sie internationale Bedeutung. Sogar wenn das Sowjetregime infolge ungünstiger Umstände und feindlicher Schläge – nehmen wir das für einen Augenblick an – vorübergehend gestürzt werden sollte, der unauslöschliche Stempel der Oktoberumwälzung würde dennoch auf der ganzen weiteren Menschheitsentwicklung verbleiben.» (Leo Trotzki, Geschichte der Russischen Revolution, marxists.org)

1917 kam es zu einem Ereignis, das den kompletten Lauf der menschlichen Geschichte änderte. Zum ersten Mal – wenn wir die kurze, aber glorreiche Episode der Pariser Kommune ausklammern – nahm die Arbeiterklasse die Macht in ihre eigenen Hände und begann die gigantische Aufgabe des sozialistischen Wiederaufbaus der Gesellschaft.

Am Vorabend dieses grossen Jahrestages finden sich die Massen im Angesicht des Gespensts der kapitalistischen Konterrevolution. Inmitten der himmelschreiendsten Szenerien ökonomischen und sozialen Chaos schleichen sich all die dunklen Mächte wieder ein, die von der revolutionären Flut weggeschwemmt worden waren. Privateigentum, Spekulation, die orthodoxe Kirche, Rassismus, Nationalismus, Pogrome, Prostitution, Arbeitslosigkeit und Ungleichheit: Es gleicht einem Schwarm eines grotesken und giftigen Insekts, der unter einem Stein hervorkommt.

Das Ganze wird von den westlichen Medien als Morgendämmerung bezeichnet. Wer fähig ist, solche Abscheulichkeiten als Fortschritt zu identifizieren, schreckt vor nichts zurück. Keine Lüge ist zu gross und keine Entstellung zu gemein für sie. Diese Lawine an Lügen hat bereits begonnen.

Um den Kapitalismus zu rechtfertigen, müssen sie, den Namen den Sozialismus, insbesondere den wissenschaftlichen Sozialismus wie er von Marx, Engels, Lenin und Trotzki zum Ausdruck gebracht wird verunglimpfen. Vor allem ist es notwendig zu zeigen, dass Revolution etwas Schlechtes ist, eine schreckliche Abweichung von den «Normen» der friedlichen gesellschaftlichen Entwicklung. Diese würde unweigerlich im Desaster enden.

Vor Kurzem feierten wir den 200. Geburtstag der Französischen Revolution. Obschon es sich dabei um eine bürgerliche Revolution handelte, obwohl sie vor 200 Jahren stattfand, konnte die herrschende Klasse es in Frankreich und sonst wo nicht lassen, die Erinnerung an 1789-93 zu verunglimpfen. Sogar ein so entferntes historisches Ereignis war eine unbequeme Erinnerung für die Reichen und Mächtigen. Sie zeigt ihnen, was passiert, wenn ein gegebenes sozio-ökonomisches System an seine Grenzen gelangt. Sie wollen sogar die schrecklichen Worte der «Marseillaise» zu ändern.

Doch Revolutionen passieren, und nicht zufällig. Eine Revolution wird unausweichlich, wenn eine spezifische Form der Gesellschaft in Konflikt kommt mit der Entwicklung der Produktivkräfte. Diese bilden die Grundlage des menschlichen Fortschritts.

Eines der besten Bücher des 20. Jahrhunderts ist Leo Trotzkis Geschichte der Russischen Revolution. Diese monumentale Studie der Ereignisse von 1917 fand nie ihresgleichen. Es handelt sich um ein überragendes Beispiel der Anwendung der Methode des Historischen Materialismus, um die Prozesse zu erhellen, die in einer Gesellschaft am Werk sind. Die Ereignisse, die zum Oktober geführt haben, werden nicht einfach erzählt, sondern in einer Weise erklärt, deren Gültigkeit und Anwendung viel weiter gehen als die Russische Revolution selbst.

Bemüht die Oktoberrevolution zu diskreditieren, lässt die herrschende Klasse ihre Schreiberlinge an den Universitäten eifrig den Mythos schüren, dass die Oktoberrevolution ein «Staatsstreich» war. Lenin und eine Handvoll Verschwörer hätten diesen bewerkstelligt.

Eingreifen der Massen

Wie Trotzki erklärt, ist in Wirklichkeit das Wesen einer Revolution, das direkte Eingreifen der Massen in das Leben der Gesellschaft und Politik. In «normalen» Perioden findet sich die Mehrheit der Leute bereitwillig damit ab, dass die Führung der Gesellschaft in den Händen der «Experten» liegt: den Parlamentariern, Beratern, Anwälten, Journalisten, Gewerkschaftsvertretern, Universitätsprofessoren und dem Rest von ihnen.

Während einer gewissen Zeit, die sich gar über eine längere Periode von Jahren oder Jahrzehnten hinziehen kann, mag es scheinen, als herrsche in der Gesellschaft ein gewisses «Gleichgewicht». Das ist besonders wahr in einer langen Periode des kapitalistischen Aufschwungs, wie jener nach dem Zweiten Weltkrieg, der fast vier Jahrzehnte dauerte.

In solchen Perioden werden die Ideen des Marxismus nicht sehr offen angenommen oder verstanden, weil sie scheinbar «den Fakten» entgegenstehen. Demgegenüber finden die Illusionen der reformistischen Arbeiterführer, die an langsamen, schrittweisen, evolutionären Wandel glauben – «heute besser als gestern und morgen besser als heute» – ein breites Publikum.

Nichtsdestotrotz spitzen sich unter der ruhigen Oberfläche mächtige Widersprüche zu. Es kommt zu einer schrittweisen Anhäufung von Unmut und Frustration der Massen sowie zunehmendem Unbehagen der Mittelschichten der Gesellschaft. Besonders die Intellektuellen und Studenten fühlen das. Sie sind ein feinfühliges Barometer und widerspiegeln die sich verändernde gesellschaftliche Stimmung.

Mit einem herrlich plastischen Begriff nennt Trotzki das den «molekularen Prozess der Revolution», der ununterbrochen in den Köpfen der Arbeiter fortläuft. Doch, da der Prozess ein schrittweiser ist, der nicht das allgemeine politische Erscheinungsbild der Gesellschaft betrifft, verläuft unbemerkt für alle – ausser den Marxisten.

Gleichermassen scheint der Boden unter unseren Füssen hart und fest (sprichwörtlich «hart wie Stein»). Doch die Geologie lehrt uns, dass Steine nicht fest sind und der Boden sich ständig unter unseren Füssen verschiebt. Die Kontinente sind in Bewegung und befinden sich in ununterbrochenem «Krieg». Der eine kollidiert mit dem anderen. Da geologische Veränderung nicht in Jahren oder Jahrzehnten gemessen wird, sondern in Äonen, bleiben die Kontinentalverschiebungen unbemerkt ausser für Spezialisten. Doch Verwerfungslinien türmen sich auf. Sie stehen unter unvorstellbarem Druck, der schliesslich in Erdbeben ausbricht.

Kriege und Revolutionen

Ähnliche Verwerfungslinien gibt es in den wohlgeordnetsten Gesellschaften. Der plötzliche Ausbruch von Kriegen und Revolutionen folgt ungefähr denselben Gesetzen wie Erdbeben und sind genauso unausweichlich. Es kommt unweigerliche zum Moment, an dem die Massen entscheiden, dass «die Dinge nicht mehr so weiter gehen können». Der Bruch ereignet sich, wenn die Mehrheit daran geht, ihr Leben und ihr Schicksal in ihre eigenen Hände zu nehmen. Das und nichts anderes ist die innerste Bedeutung einer Revolution.

Für den wohlgenährten Akademiker ist eine Revolution ein Irrweg, ein «Freak», eine Abweichung von der Norm. Die Gesellschaft wird vorrübergehend «verrückt» bis schliesslich wieder Ordnung hergestellt wird. Eine derartige Psychologie stellt sich die Revolution am besten als eine blinde Herde vor, die plötzlich in Panik verfällt. Oder noch besser: als Verschwörung, die von Demagogen ausgebrütet wurde.

In Wirklichkeit sind die psychologischen Veränderungen, die sich in einer Revolution mit grösster Schärfe ereignen, nicht zufällig, sondern wurzeln in der ganzen vorhergehenden Periode.

Der menschliche Geist ist im Allgemeinen nicht revolutionär, sondern konservativ. So lange die Bedingungen annehmbar sind, neigen die Leute dazu, den bestehenden Zustand der Gesellschaft zu akzeptieren. Das Bewusstsein neigt also dazu, den Veränderungen in der objektiven Welt der Wirtschaft und Gesellschaft hinterherzuhinken.

Erst in letzter Konsequenz, wenn es keine Alternative mehr gibt, entscheidet sich die Mehrheit für einen entschiedenen Bruch mit der bestehenden Ordnung. Lange vorher wird sie mit allen Mitteln versuchen, sich anzupassen, Kompromisse zu finden, den vermeintlichen «Weg des geringsten Widerstands» zu suchen. Das ist das Geheimnis der Anziehungskraft reformistischer Politik, besonders wenn auch nicht ausschliesslich in einer Periode kapitalistischen Aufschwungs.

Die Oktoberrevolution war das Produkt der gesamten vergangenen Periode. Noch bevor sie sich für die Bolschewiki entschieden, machten die russischen Arbeiter und Bauern die Erfahrung zweier Revolutionen durch (1905 und Februar 1917) sowie zweier Kriege (1904-5 und 1914-17).

Das zaristische Russland, das einer der wichtigsten imperialistischen Staaten war, mit seiner mächtigen Armee, war nichtsdestotrotz ein wirtschaftlich rückständiges kapitalistisches Land. Entsprechend dem Gesetz der kombinierten und ungleichen Entwicklung wurde die Grossindustrie in wenigen Zentren (hauptsächlich Moskau, St. Petersburg, die westliche Region, Ural und Donbass) als Resultat westlicher Investitionen etabliert. Dennoch bestand die Bevölkerung mehrheitlich aus Bauern, die in Bedingungen mittelalterlicher Rückständigkeit lebten. In vielen Aspekten ähnelte die Zusammensetzung der Gesellschaft im russischen Zarismus jener vieler heutiger Drittweltländer.

Trotz der kleinen Zahl der russischen Arbeiterklasse prägte diese schon sehr früh die Ereignisse. In der stürmischen Streikwelle der 1890er Jahre verkündete sie der Welt ihre Existenz. Ab diesem Moment nahm die «Frage der Arbeit» eine zentrale Stellung in der russischen Politik ein.

Das stürmische Wachstum der Industrie zu Beginn des 20. Jahrhunderts brachte ein rasches Wachstum der Arbeiterklasse mit sich. Anders als in Grossbritannien, wo der Kapitalismus langsam und schrittweise über 200 Jahre organisch heranwuchs, wurde die Entwicklung des Kapitalismus in Russland auf ein paar Jahrzehnte verkürzt.

Somit musste die russische Industrie nicht durch die Phase des Handwerks, der Heimarbeit und der Manufakturen gehen, um zu den Grossbetrieben zu gelangen. Riesige Fabriken wurden aufgebaut mit den modernsten Techniken, die aus Grossbritannien, Deutschland und den USA importiert wurden. Zusammen mit dem Import der modernsten Technologie aus dem Westen, kamen die modernsten und fortgeschrittensten Ideen des Sozialismus.

Ab den 1890ern schaffte es der Marxismus die alten terroristischen und utopischen sozialistischen Trends des Volkstümlertums (Narodniki) als vorherrschender Strömung in der Arbeiterbewegung zu ersetzen.

Narodniki

Die raffinierteren Kritiker des Bolschewismus versuchen eine Trennlinie zu ziehen zwischen dem zivilisierten «westlichen» Marxismus und dem rohen, barbarischen Leninismus, der angeblich ein Produkt von russischer Rückständigkeit sei.

Tatsächlich gibt es wenig spezifisch Russisches an den Ideen von Lenin, der sein ganzes Leben damit verbrachte, unermüdlich die Narodniki zu bekämpfen für ihren «russischen Weg zum Sozialismus».

Sowohl Lenin wie Trotzki widmeten ihr Leben der Verteidigung des sozialistischen Internationalismus. Ihre Ideen können so wenig als «russisch» bezeichnet werden, wie Marx’ Ideen als «deutsch» dargestellt werden können. Lenin und Trotzki entwickelten und erweiterten den Marxismus, aber sie verteidigten die grundlegenden Ideen und Prinzipien, die Marx und Engels ab 1848 ausgearbeitet hatten.

1905 kam es zur ersten grossen Prüfung für die russischen Marxisten. Die tiefe soziale Krise spitzte sich zu mit dem Russisch-Japanischen Krieg, der in einem militärischen Desaster für den Zarismus endete. Am 9. Januar 1905 versammelte sich das arbeitende Volk von St. Petersburg zusammen mit ihren Familien für eine friedliche Demonstration auf dem Platz des Winterpalastes. Das Ziel war eine Petition an den Zaren, den «kleinen Vater».

Der Grossteil dieser Arbeiter, von denen die meisten vor Kurzem aus den Dörfern gekommen waren, waren nicht nur religiös, sondern Monarchisten. Die Kräfte der Marxisten (oder Sozialdemokraten, wie sie sich nannten) waren sehr klein, und waren gespalten in Bolschewiki und Menschewiki. Beim Versuch Flugzettel zu verteilen, auf denen sie Monarchie anprangerten, zerrissen die Arbeiter mancherorts die Flugzettel und verprügelten die Marxisten gar.

Dieselben Arbeiter organisierten innert neuen Monaten einen revolutionären Generalstreik und einen Sowjet. Zum Jahresende waren die Arbeiter von Moskau im bewaffneten Aufstand.

In allen städtischen Zentren verwandelte sich die Sozialdemokratie in die bestimmende Kraft. Die Revolution von 1905 scheiterte hauptsächlich, weil die Bewegung auf dem Land erst Fahrt aufnahm, als die Arbeiter in den Städten geschlagen waren.

Für einige Jahre (1907-11) kam die Reaktion über Russland, so schwarz wie die Nacht. Doch 1911-12 begann es von Neuem. Kennzeichnend dafür war eine massive Streikwelle (die teilweise einen ökonomischen Aufschwung widerspiegelte), die von ökonomischen Forderungen ausging aber rasch politischen Charakter annahm.

In dieser Periode erlangten die Bolschewiki eine entscheidende Mehrheit in der organisierten Arbeiterklasse. 1912 brachen sie mit dem opportunistischen Menschewiki-Flügel und gründeten die Partei der Bolschewiki.

Halten wir uns in Erinnerung, dass die Bolschewiki und Menschewiki zwei Strömungen der existierenden traditionellen Massenpartei der Arbeiter waren, der SDAPR (Sozialdemokratische Arbeiterpartei Russlands). Sogar nach 1912 nannten sich die Bolschewiki weiterhin SDAPR (B).

Der Erste Weltkrieg

Am Vorabend des Ersten Weltkriegs stand Russland einmal mehr am Rande einer Revolution. Möglicherweise hätten die Bolschewiki damals an die Macht kommen können, aber die Situation wurde vereitelt durch den Ausbruch der Feindseligkeiten im August 1914. Während des Krieges wurde die bolschewistische Partei durch Verhaftungen und Verbannung geschwächt. Die Jugend, die für die Partei die wichtigste Rekrutierungsquelle darstellte, wurde in die Armee eingezogen. Dort standen die Arbeiter einer Masse von rückständigen Bauernsoldaten gegenüber.

In seinem Exil stand Lenin in Kontakt mit ein paar Dutzend Mitarbeitern. 1915 scherzte er auf der Konferenz der sozialistischen Internationalisten in Zimmerwald, dass man alle Internationalisten der Welt in zwei Postkutschen unterbringen könne.

Bei einem Treffen von Schweizer Jungsozialisten im Januar 1917 sagte Lenin, dass er die sozialistische Revolution wahrscheinlich nicht mehr erleben werde. Doch innerhalb weniger Wochen wurde der Zar gestürzt, und am Ende des Jahres stand Lenin an der Spitze der ersten Arbeiterregierung der Welt.

Wie lässt sich eine solch dramatische Wendung der Ereignisse erklären? Vulgäre Historiker erklären die Revolution als Folge des grossen Elends. Das ist einseitig und falsch. Trotzki erklärt, dass wenn das zuträfe, wären die Massen in einem Land wie Indien immer in Aufruhr. Die Wirtschaftskrise begünstigte den Sieg der Reaktion in den Jahren 1907-11. Dadurch wurden die Arbeiter nach einer politischen Niederlage vorübergehend betäubt und verwirrt. Wie Trotzki vorhergesagt hatte, brauchte es einen wirtschaftlichen Aufschwung (1911-12), damit sich die Bewegung erholen konnte.

Aufschwung und Einbruch

In Wirklichkeit sind weder Aufschwünge noch Einbrüche an sich die Ursachen von Revolutionen. Vielmehr ist es die rasche Abfolge von Aufschwung und Abschwung, die Unterbrechung der «normalen» Daseinsweise, die allgemeine Unsicherheit und Instabilität hervorruft und die Menschen veranlasst, die bestehenden Verhältnisse in Frage zu stellen. Noch tiefgreifender sind Erschütterungen, die durch Kriege verursacht werden, die die Welt auf den Kopf stellen, Millionen von Menschen entwurzeln und sie zwingen, ihre Illusionen aufzugeben und endlich der Realität ins Auge zu sehen.

Die Februarrevolution war ein konkreter Ausdruck davon, dass das alte Regime in eine Sackgasse geraten war. Wie schon 1904-5 diente der Hammerschlag der militärischen Niederlage dazu, die innere Fäulnis des Zarismus aufzudecken.

Aber etwas aufzudecken ist nicht gleichzusetzen mit der Ursache. Die Krise auf den internationalen Finanzmärkten und der kürzliche Sturm auf das Pfund haben die chronische Schwäche der britischen Wirtschaft offengelegt («Black Wednesday», Sterlingkrise 1992, A. d. Ü.). Doch der Verfall des britischen Kapitalismus hat sich über Jahrzehnte hinweg allmählich vollzogen. Allerdings wurde dies durch den allgemeinen Aufschwung der Weltwirtschaft verschleiert. Die Marxisten haben dies schon vor Jahrzehnten erklärt. Der Unterschied besteht nun darin, dass die Masse des britischen Volkes unter dem unerbittlichen Druck der weltweiten Krise des Kapitalismus allmählich zu dieser Erkenntnis gelangt.

Schon während des Krieges begann die Streikbewegung in Petrograd, die Anfang 1917 gewaltige Ausmasse annahm. Die von den Industriezentren ausgehende Unzufriedenheit fand ein Echo in den Reihen der Armee, die unter Niederlagen und Erschöpfung litt. Die Krise des Regimes nahm die Bewegung der Massen vorweg.

Eine Revolution beginnt nicht von unten, sondern an der Spitze. Sie äussert sich zunächst in einer Reihe von Krisen und Spaltungen der herrschenden Klasse, die sich in einer Sackgasse befindet und nicht mehr in der Lage ist, in der alten Weise weiter zu herrschen.

Trotzki drückt es folgendermassen aus: «Eine Revolution bricht aus, wenn alle Antagonismen der Gesellschaft die höchste Spannung erreicht haben. Das aber gerade macht die Situation sogar für die Klassen der alten Gesellschaft, das heisst für jene, die dem Untergange geweiht sind, unerträglich.» (Trotzki, Geschichte der Russischen Revolution, marxists.org)

Ein Regime, das sich selbst überlebt habt, wird immer umweht vom Geruch von Korruption und Skandalen. Die gegenwärtige Epidemie politischer und finanzieller Skandale in Grossbritannien, Japan, den USA und Italien ist ebenso wenig ein Zufall wie das Rasputin-Regime am Hof von Nikolaus dem Blutigen.

Die Kosaken

Trotz all seiner bewaffneten Macht, seiner Polizei, seiner Kosaken, seiner Geheimpolizei fiel der Zarismus bei der ersten ernsthaften Herausforderung wie ein fauler Apfel im Wind. Die Armee brach wie ein Kartenhaus zusammen, als die Arbeiter ihr mit der festen Entschlossenheit gegenübertraten, die Gesellschaft zu verändern.

Die Arbeiterklasse in ihrer Gesamtheit lernt aus der Erfahrung – insbesondere aus der Erfahrung grosser Ereignisse. Die Erfahrung von 1905 hatte trotz der Niederlage einen unauslöschlichen Eindruck hinterlassen, der im Februar mit der Schaffung der Sowjets (gewählte Komitees von Arbeitern und Soldaten), die gleichzeitig Organe des Kampfes und potenzielle Organe einer neuen Macht waren, sofort wieder zum Ausdruck kam.

Wie so oft in der Geschichte hatten die Arbeiter auch in der Februarrevolution die Macht in ihren Händen. Doch sie erkannten diese Tatsache nicht. Mit der richtigen Führung hätte die Arbeiterklasse sofort die sozialistische Revolution durchführen können. Aber unter der Führung der Menschewiki und der Sozialrevolutionäre bedeutete das Ende der Februarrevolution auch das Ende der «Doppelmacht».

Revolution bedeutet das explosionsartige Betreten der politischen Bühne durch Millionen von Männern und Frauen ohne jegliche politische Vorerfahrung, die auf der Suche nach einer Lösung für ihre drängendsten Probleme sind.

Die Massen suchen zunächst unweigerlich den Weg des geringsten Widerstands, die einfachsten Lösungen, wenden sich an die bekannten politischen Persönlichkeiten und die vertrauten politischen Parteien.

Im Falle Russlands hatte der Krieg selbst grundlegende Auswirkungen auf das Kräfteverhältnis zwischen den Klassen. Die «Massen» waren hier in erster Linie die Bauern, die das Rückgrat der zaristischen Armee bildeten. Bis 1914 stellten die Bolschewiki die Spitze von vier Fünfteln der organisierten Arbeiterklasse. Doch diese Situation änderte sich mit dem Krieg.

In der Februarrevolution änderte sich das gesamte Kräfteverhältnis der Klassen durch das explosionsartige Auftreten der Masse der politisch ungebildeten Arbeiter, die dazu neigten, die Menschewiki zu unterstützen. Das entscheidende Element in dieser Gleichung war die Armee, und hier hatten die Bauern ein erdrückendes Übergewicht. Die Bauernsoldaten, die gerade erst zum politischen Leben erwacht waren, schauten nicht auf die Bolschewiki, sondern auf die «gemässigten» sozialistischen Führer, die Menschewiki und vor allem die Sozialrevolutionäre (SR).

Nach den Erfahrungen von 1905 fürchteten die Arbeiter einen Bruch mit den Bauern in Uniform und waren vorerst bereit, abzuwarten. Das vereinte Gewicht der Bauernschaft und der politisch unerfahrenen Masse der Arbeiter stellte sich hinter die Menschewiki und die SR. Die Bolschewiki wurden in den ersten Phasen der Revolution auf eine kleine Minderheit verringert.

Die Menschewiki

Die Massen setzten ihr Vertrauen in die reformistischen Arbeiterführer. Und diese vertrauten wie immer dem «liberalen» Flügel der Bourgeoisie, der seinerseits verzweifelt bemüht war, die Monarchie zu verteidigen und der Revolution ein Ende zu setzen. Hinter den Kulissen bereiteten die reaktionären Generäle unterdessen einen Putsch vor.

Nicht zum ersten und nicht zum letzten Mal hatten die Arbeiter gekämpft und gesiegt, nur um von ihrer Führung um die Früchte des Sieges betrogen zu werden. Die Führer der SR und der Menschewiki waren besessen von einer einzigen Idee: die Macht so schnell wie möglich an die Bankiers und Kapitalisten zurückzugeben.

Die Provisorische Regierung, die aus der Februarrevolution hervorgegangen war, bestand aus Grossgrundbesitzern und Kapitalisten. Diese nannten sich selbst «Demokraten». Der rechtsgerichtete Arbeiterführer Kerenski trat als Justizminister in die Regierung ein. Kriegsminister war der Moskauer Grossindustrielle Gutschkow. Der «liberale» Miljukow wurde Aussenminister.

Arbeiteraktivisten

Die Aktivisten aus der Arbeiterschaft misstrauten der Regierung zutiefst. Doch in der breiten Masse der Gesellschaft herrschte eine Welle der Euphorie. Die Massen hatten Illusionen in ihre Führer und betrachteten Kerenski als ihren Sprecher in der Regierung.

Die vorherrschende Atmosphäre des revolutionären demokratischen Rausches wirkte sich sogar auf einige der bolschewistischen Führer in Petrograd aus. Lenin befand sich noch im Schweizer Exil. Die wichtigsten Führer in Petrograd waren Kamenjew und Stalin, die sich dem Druck nach «Einheit» beugten. Instinktiv sprachen sich die Petrograder Bolschewiki gegen die Provisorische Regierung aus, die sie richtigerweise als konterrevolutionär bezeichneten. Doch Kamenjew und Stalin lenkten die Partei in ein enges Bündnis mit den SR und den Menschewiki und schlugen sogar eine Wiedervereinigung mit diesen vor.

Vom Schweizer Exil aus beobachtete Lenin die Situation mit Sorge. Seine ersten Telegramme nach Petrograd waren völlig unnachgiebig in Ton und Inhalt: «Unsere Taktik: restloses Misstrauen, keinerlei Unterstützung der neuen Regierung; Kerenski misstrauen wir besonders; Bewaffnung des Proletariats die einzige Garantie; unverzüglich Wahlen in die Petrograder Duma; keine Annäherung an andere Parteien.» (Trotzki, Geschichte der Russischen Revolution, marxists. org)

Nach Lenins Rückkehr im April geriet die bolschewistische Partei in eine Krise. Es ist ein Gesetz von revolutionären Situationen, dass der Druck fremder Klassenkräfte schwer auf der Partei und ihrer Führung lastet: der Druck zur «Einheit der Linken», die Angst vor Isolation und anderes mehr.

Die Spannungen zwischen Lenin und der Mehrheit der Führung waren so gross, dass sich Lenin unmittelbar nach seiner Rückkehr gezwungen sah, seine Aprilthesen in der Prawda mit seiner persönlichen Unterschrift zu veröffentlichen.

Auf der April-Konferenz, auf der es zu heftigen Auseinandersetzungen kam, warnte Lenin, dass er lieber allein sein wolle «wie Karl Liebknecht, einer gegen 110» (in Anspielung auf Liebknechts mutige Antikriegshaltung in der Reichstagsfraktion der deutschen SPD), als die Position von Kamenjew und Stalin zu akzeptieren.

Lenin erklärte, dass die Revolution ihre zentralen Ziele nicht erreicht habe: Es sei notwendig, die provisorische Regierung zu stürzen, die Arbeiter müssten die Macht übernehmen und sich mit der Masse der armen Bauern verbünden. Nur so könne der Krieg beendet, das Land an die Bauern zurückgegeben und die Voraussetzungen für den Übergang zu einem sozialistischen Regime geschaffen werden.

Diese Ideen waren im Wesentlichen identisch mit den Perspektiven, die Trotzki 1904-5 in brillanter Weise ausgearbeitet hatte und die als «Permanente Revolution» in die Geschichte eingegangen sind.

Lenins Ideen setzten sich durch. Die Bolschewiki blieben jedoch eine Minderheit in den Sowjets, und die Sowjetführer – die SR und die Menschewiki – unterstützten die Provisorische Regierung. Hier zeigt sich die flexible Taktik Lenins, die nichts gemein hat mit ultralinkem Abenteurertum. Unter der Losung «Geduldig erklären» forderte er die Bolschewiki auf, sich den Arbeitern des Sowjets zu stellen, Forderungen an die reformistischen Führer zu stellen, Taten statt Worte zu verlangen, die Geheimverträge zu veröffentlichen, den Krieg zu beenden, mit der Bourgeoisie zu brechen und die Macht in die eigenen Hände zu nehmen. Wenn sie dies täten, wiederholte Lenin mehrmals, dann würde sich der Kampf um die Macht auf den friedlichen Kampf um die Mehrheit in den Sowjets reduzieren.

Die Machtübernahme

Die Menschewiki und SR-Führer hatten jedoch nicht die Absicht, mit der bürgerlichen Provisorischen Regierung zu brechen. In Wirklichkeit fürchteten sie sich vor der Machtübernahme und hatten mehr Angst vor den Arbeitern und Bauern als vor dem konterrevolutionären Generalstab.

Die Provisorische Regierung war in Wirklichkeit eine leere Hülle. Es gab nur zwei wirkliche Mächte im Land. Die eine oder die andere musste gestürzt werden. Auf der einen Seite die Sowjets der Arbeiter- und Bauerndeputierten, auf der anderen Seite die Reste des alten Staatsapparates, die sich um die Monarchie und den Generalstab gruppierten und sich im Schutz der Provisorischen Regierung auf eine Auseinandersetzung mit den Sowjets vorbereiteten.

Explosives Wachstum

Eines der Hauptmerkmale einer revolutionären Situation ist die plötzliche Veränderung der Stimmung in den Volksmassen. Die Arbeiter lernen schnell durch die Ereignisse.

So kann eine revolutionäre Strömung ein explosives Wachstum erfahren und von einer winzigen Minderheit zu einer entscheidenden Kraft werden, wenn sie eine flexible Taktik mit unerbittlicher Entschlossenheit in allen politischen Fragen verbindet.

Zu Beginn wurde Lenin von seinen Gegnern als hoffnungsloser «Sektierer» verspottet, der zur Ohnmacht verdammt war, weil er der «Einheit der Linken» fernblieb. Doch schon bald begann der Wind in Richtung Bolschewismus zu wehen.

In einer Revolution, schrieb Trotzki, «verdrängt das extremere immer das weniger extreme». Die Arbeiter erkennen die Richtigkeit der Ideen der revolutionären Strömung aus ihrer eigenen Erfahrung, vor allem aus der Erfahrung der grossen Ereignisse.

Solche Ereignisse sind absolut notwendig, damit sich die Arbeiter von der Notwendigkeit einer radikalen Umgestaltung der Gesellschaft überzeugen können. Die verschiedenen Stadien der Bewusstseinsbildung der Klasse spiegeln sich im Aufstieg und Fall der verschiedenen politischen Parteien, Strömungen, Programme und Personen wider.

Das Versagen der bürgerlichen Provisorischen Regierung, auch nur ein einziges der grundlegenden Probleme der Gesellschaft zu lösen, löste eine scharfe Reaktion in den wichtigsten Zentren der Arbeiterklasse aus. Besonders in Petrograd: Hier vereinigte sich das kämpferische Proletariat mit den revolutionären Matrosen (die im Gegensatz zur Infanterie in der Regel aus dem Fabrikproletariat, insbesondere den qualifizierten Arbeitern, stammten).

Die ständigen Preiserhöhungen und die Kürzung der Brotrationen führten zu einer Gärung der Unzufriedenheit. Vor allem die Fortsetzung des Krieges brachte die Temperatur auf den Siedepunkt.

Ab April reagierten die Arbeiter mit einer Reihe von Massendemonstrationen, die einen immer stärkeren Linksruck in der Stimmung der Arbeiter erkennen liessen. Parallel dazu versuchten die reaktionären Kräfte, auf der Strasse zu mobilisieren, was zu einer Reihe von Zusammenstössen führte.

Demonstration

Die Bolschewiki riefen im April zu einer Demonstration auf, um Druck auf die reformistischen Führer auszuüben und die Stimmung des Kapitals zu testen.

Aus den Fabriken und Arbeiterbezirken kamen Resolutionen an die Sowjet-Exekutive, in denen ein Bruch mit der Bourgeoisie gefordert wurde. Die Arbeiter strömten zu den örtlichen Komitees und fragten, wie sie von den Menschewiki zu den Bolschewiki übertreten könnten. Anfang Mai hatten die Bolschewiki bereits mindestens ein Drittel der Arbeiter in Petrograd in ihren Reihen.

Trotzki schrieb: «Jedes Auftreten der Massen ist, abgesehen von seinen unmittelbaren Zielen, eine Warnung an die Adresse der Sowjetleiter. Die Warnung trägt anfangs milden Charakter, doch wird sie immer energischer. Im Juli verwandelt sie sich in Drohung. Im Oktober kommt die Lösung.» (Geschichte der Russischen Revolution, marxists.org)

Die Fürsprecher der herrschenden Klasse versuchen immer, die Revolution als ein blutrünstiges Ereignis darzustellen. Die reformistischen Führer geben sich als friedliebende parlamentarische Demokraten aus. Doch die Geschichte beweist die Falschheit beider Behauptungen. Die blutigsten Seiten in der Geschichte der sozialen Unruhen zeigen sich, wenn eine feige und unfähige Führung im entscheidenden Moment zögert und es nicht schafft, die Krise der Gesellschaft durch energisches Handeln zu lösen. Die Initiative geht dann auf die Kräfte der Konterrevolution über, die immer gnadenlos und bereit sind, durch Ströme von Blut zu waten, um «den Massen eine Lektion zu erteilen».

Im April 1917 hätten die reformistischen Führer des Sowjets die Macht «friedlich» übernehmen können – wie Lenin sie dazu aufgefordert hatte. Es hätte keinen Bürgerkrieg gegeben. Die Autorität dieser Führer war so gross, dass die Arbeiter und Soldaten ihnen bedingungslos gehorcht hätten. Die Reaktionäre wären Generäle ohne Armee gewesen.

Aber die Weigerung der Reformisten, die Macht friedlich zu übernehmen, machte Blutvergiessen und Gewalt unvermeidlich und brachte die Errungenschaften der Revolution in Gefahr. Auf die gleiche Weise gaben die deutschen sozialdemokratischen Führer die von den deutschen Arbeitern und Soldaten 1918 errungene Macht zurück – ein Verbrechen, für das die ganze Welt mit dem Aufstieg Hitlers, den Konzentrationslagern und den Schrecken eines neuen Weltkriegs bezahlte. Statt die Macht zu übernehmen, traten die Führer der Menschewiki und der SR mit den bürgerlichen Führern in die erste Koalitionsregierung ein.

Die Massen waren zunächst begeistert und glaubten, die sozialistischen Minister würden ihre Interessen vertreten. Wieder einmal konnten nur die Ereignisse einen Bewusstseinswandel herbeiführen. Die sozialistischen Minister wurden unweigerlich zu Handlangern der Grossgrundbesitzer und Kapitalisten und vor allem des anglo-französischen Imperialismus, der ungeduldig eine neue Offensive an der russischen Front forderte.

Dieselben «Sozialisten», die zuvor eine pazifistische Haltung eingenommen hatten, vergassen sofort ihre Zimmerwaldner Reden und unterstützten den Krieg enthusiastisch, sobald sie die Schwelle des Ministeriums überschritten hatten. Eine neue Offensive wurde angekündigt. Ebenso wurden Massnahmen zur Wiedereinführung der Disziplin in der Armee ergriffen, um die Macht der Offizierskaste zu stärken. Die Stimmung unter den Arbeitern in Petrograd war nahezu am Siedepunkt. Als Warnschuss und Kraftprobe zogen die Bolschewiki eine bewaffnete Demonstration in Betracht, um Druck auf den Sowjetkongress im Juni auszuüben.

Die Partei gab der wachsenden Frustration der Petrograder Arbeiter Ausdruck, das sich in Slogans an die reformistischen Führer des Sowjets äusserte: «Übernehmt die Staatsgewalt!», «Brecht mit der Bourgeoisie!», «Gebt die Idee einer Koalition auf und nehmt die Macht selbst in die Hand!» Die Idee einer bewaffneten Demonstration löste eine hysterische Reaktion seitens der bürgerlichen Führer aus. Sie setzten eine Verleumdungskampagne in Gang und stellten die Demonstration als Putschversuch dar. Der menschewistische Minister Tsereteli warnte ominös, dass «Leute, die nicht wissen, wie man mit Waffen umgeht, entwaffnet werden müssen». Als kleine Minderheit auf dem Sowjetkongress (mit dem die Demonstration zusammenfallen sollte) beschlossen die Bolschewiki, sich zurückzuziehen. Die Idee einer bewaffneten Demonstration wurde fallen gelassen. Stattdessen rief der Sowjetkongress selbst zu einer unbewaffneten Demonstration am 1. Juli auf. Doch dieser Versuch, die Bolschewiki auszutricksen, rächte sich.

Das Bewusstsein wächst

Die Arbeiter und Soldaten kamen zur «offiziellen» Demonstration und trugen Schilder mit den Slogans der Bolschewiki: «Nieder mit den Geheimverträgen!», «Nieder mit den zehn kapitalistischen Ministern!», «Nein zur Offensive!», «Alle Macht den Sowjets!» In einer Revolution waren selbst solch demokratische und flexible Organisationen wie die Sowjets nicht in der Lage, die schnellen Stimmungswechsel der Massen widerzuspiegeln. Der Sowjet blieb hinter den Fabrikkomitees zurück, die Fabrikkomitees blieben hinter den Massen zurück. Vor allem aber blieben die Soldaten hinter den Arbeitern zurück, und die rückständigen Provinzen blieben hinter dem revolutionären Petrograd zurück.

Der Prozess des Anwachsens des Bewusstseins ist nie gleichförmig. Verschiedene Schichten kommen zu verschiedenen Zeiten zu unterschiedlichen Schlussfolgerungen. Es besteht immer die Gefahr, dass die fortgeschritteneren Schichten der Klasse zu früh zu weit gehen und sich von der Mehrheit entfernen, was verhängnisvolle Folgen haben kann.

Die radikalsten Teile der Petrograder Garnison waren durch die Offensive verärgert und bereiteten sich auf eine bewaffnete Demonstration vor. Die Bolschewiki, die sich bewusst waren, dass die Provinzen noch nicht bereit für eine Konfrontation mit der Provisorischen Regierung waren, versuchten, die Soldaten zurückzuhalten. Schliesslich sahen sie sich jedoch gezwungen, sich an die Spitze der Demonstration zu stellen, um ein Massaker zu verhindern.

Wie die Bolschewiki gewarnt hatten, nutzte die Regierung die Gelegenheit, um gegen die Bewegung vorzugehen, indem sie sich auf rückständigere Regimenter stützte. Die «Julitage» endeten mit einer Niederlage für die Arbeiter, aber dank der verantwortungsbewussten Führung der Bolschewiki hielten sich die Verluste in Grenzen, und die Auswirkungen der Niederlage waren nicht von langer Dauer.

Eine Revolution ist kein Ein-Akter. Sie ist auch kein simpler, vorwärtsschreitender Prozess. Die Russische Revolution zog sich über neun Monate hin. Die Spanische Revolution erstreckte sich über sieben Jahre – vom Sturz der Monarchie 1931 bis zu den Maitagen von Barcelona 1937. Innerhalb der Revolution gibt es Perioden atemberaubenden Fortschritts, aber auch Perioden der Flaute, der Niederlage, ja sogar der Reaktion. So folgte auf die Februarrevolution die Reaktion nach den Julitagen. Die Bolschewiki wurden beschuldigt, deutsche Agenten zu sein, und gnadenlos gejagt, verhaftet und ins Gefängnis geworfen. Lenin war gezwungen, unterzutauchen und dann nach Finnland zu gehen.

Konterrevolution

Seit Februar hatte sich die Konterrevolution die Zeit totgeschlagen und sich hinter dem Rücken der Provisorischen Regierung versteckt. Mit der Offensive und der Zerschlagung der Bolschewiki im Juli schlug das Pendel nun nach rechts aus. Die Offizierskaste begann ernsthafte Vorbereitungen für einen Staatsstreich, der Ende August im Aufstand von General Kornilow gipfelte. Nur die mutige Reaktion der Arbeiter und Soldaten rettete die Revolution. Die Eisenbahner weigerten sich unter Einsatz ihres Lebens, die Züge zu fahren, oder leiteten sie falsch um. Kornilows Armee stand ohne Nachschub, ohne Benzin, desorganisiert und orientierungslos da. Agitatoren, hauptsächlich Bolschewiki, machten sich unter Kornilows Truppen an die Arbeit und gewannen sie für sich. Kornilow war am Ende ein General ohne Armee. Widerwillig waren die Menschewiki und die SR gezwungen, die Bolschewiki zu legalisieren. Doch inzwischen hatten die Massen begonnen, den wahren Stand der Dinge zu erkennen. In einem frühen Artikel über die Revolution, der zwischen den Sitzungen der Friedensverhandlungen von Brest-Litowsk im Jahr 1918 geschrieben wurde, erinnerte sich Trotzki an die Ereignisse, die ihm noch frisch im Gedächtnis waren: «Es war unzweifelhaft, dass die Einflusssphäre und die Kräfte der Bolschewiki gewachsen waren und einen ungeheuren Schwung bekommen hatten. Die Bolschewiki hatten vor der Koalition und vor der Offensive vom 18. Juni gewarnt, sie hatten die Kornilow-Affäre prophezeit; so konnten sich die Volksmassen aus Erfahrung überzeugen, dass wir Recht hatten.» (Trotzki, Von der Oktoberrevolution bis zum Brester Friedensvertrag, AdV-Verlag)

Durch den Vormarsch von Kornilows «wilder Division» in Panik versetzt, waren die reformistischen Sowjetführer gezwungen gewesen, die Arbeiter zu bewaffnen. Die Position der Bolschewiki wurde nun im Petrograder Sowjet ausschlaggebend. Zudem rückte die Zeit des zweiten gesamtrussischen Sowjetkongresses näher, auf dem den Bolschewiki eine Mehrheit sicher war. Die konterrevolutionäre Politik der reformistischen Führer der Sowjets hatte Lenin dazu bewogen, die Losung «Alle Macht den Sowjets» fallen zu lassen und sie durch die Idee der Machtübernahme durch die Fabrikkomitees zu ersetzen. Diese Tatsache zeigt die extreme Flexibilität von Lenins Taktik. Es stand ausser Frage, aus irgendeiner Organisationsform, auch aus den Sowjets, einen Fetisch zu machen. Die sowjetische Form der Direktwahlen aus den Betrieben und Garnisonen stellte jedoch einen weitaus demokratischeren Ausdruck des gesellschaftlichen Willens dar als jedes in der Geschichte bekannte Regime der bürgerlich-parlamentarischen Demokratie.

Eine der krassesten Lügen über den Oktober ist, dass die Bolschewiki «undemokratisch» waren, weil sie sich auf die Sowjetdemokratie und nicht auf ein Parlament («Konstituierende Versammlung») stützten. Das Argument ist, dass Lenin und Trotzki nicht die Massen, sondern nur eine kleine, streng disziplinierte Gruppe von Verschwörern vertraten. Für diese Kritiker war der Oktober keine Revolution, sondern ein «Putsch».

Die Wirklichkeit ist ganz anders. Das sowjetische System im Jahr 1917 und in den Jahren unmittelbar nach der Revolution war das demokratischste System der Volksvertretung, das es je gab. Selbst die demokratischsten Modelle des bürgerlichen Parlamentarismus können sich nicht mit der einfachen und direkten Demokratie der Sowjets messen. Übrigens bedeutet das russische Wort «Sowjet» lediglich «Rat» oder «Komitee». Die Sowjets wurden 1905 als erweiterte «Streikkomitees» geschaffen. Im Jahr 1917 wurden die Arbeitersowjets um die Vertretung der Soldaten erweitert, bei denen es sich überwiegend um Bauern in Uniform handelte. Die Vertreter in den Sowjets wurden direkt von ihren Arbeitskollegen gewählt und waren sofort abwählbar. Vergleichen wir dies mit dem heutigen System in Grossbritannien, wo die Parlamente im Durchschnitt alle vier Jahre gewählt werden. Es gibt keine Möglichkeit der Abberufung. Wenn ein Parlament einmal gewählt ist, kann es bis zu den nächsten allgemeinen Wahlen nicht abgewählt werden. Es steht den Regierungen frei, ihre Versprechen zu brechen – und das tun sie auch, denn sie wissen, dass sie nicht abgesetzt werden können.

Die meisten Parlamentarier sind Berufspolitiker, die keinen Kontakt zu den Menschen haben, die sie gewählt haben. Sie leben in einer anderen Welt, mit hohen Gehältern und Spesen, was sie in eine andere gesellschaftliche Kategorie stellt als das Volk, das sie eigentlich vertreten sollen.

In einer revolutionären Situation, in der sich die Stimmungen der Massen schnell ändern, wären die schwerfälligen Mechanismen der formalen bürgerlichen Demokratie völlig unfähig, die Situation genau widerzuspiegeln. Selbst die Sowjets hinkten, wie wir gesehen haben, oft hinterher.

In seinem Werk von 1918 charakterisiert Trotzki die Demokratie der Sowjets wie folgt: «Sie stützen sich unmittelbar auf organische Gruppierungen, wie die Fabrik, die Werkstatt, die Dorfgemeinde, das Regiment und andere. Hier fehlen natürlich jene juristischen Garantien für die Genauigkeit der Wahl, wie sie bei der Schaffung der demokratischen Stadtrat- oder Semstwo-Institutionen (eine Art gewählter Bezirksrat in den ländlichen Gebieten des Zarismus, AW) vorhanden sind. Dafür aber haben wir hier unvergleichlich ernsthaftere und tiefgehendere Garantien für die direkte und unmittelbare Verbindung des Abgeordneten mit seinen Wählern. Der Delegierte des Stadtrats oder des Semstwos stützt sich auf die lockere Masse der Wähler, die ihm für ein Jahr ihre Vollmachten anvertraut und dann auseinanderfällt. Die Sowjet-Wähler bleiben dagegen für immer durch die Bedingungen ihrer Arbeit und ihrer Existenz an einander gebunden, sie haben stets ihren Delegierten vor Augen; in jedem Augenblick können sie ihn massregeln, dem Gericht übergeben, absetzen oder durch eine andere Person ersetzen.» (Trotzki, Von der Oktoberrevolution bis zum Brester Friedensvertrag, AdV-Verlag)

Die Rechtssozialisten versuchten mit allen Mitteln, die Machtübernahme der Sowjets zu verhindern. Zunächst organisierten sie die so genannte «Demokratische Konferenz» und forderten ein «verantwortungsvolles» Ministerium. Dies stellte niemanden zufrieden und wurde von rechts und links angegriffen. Die rasche Polarisierung zwischen den Klassen verdammt alle Manöver der «Mitte» von vornherein zur Niederlage. Die endlosen Intrigen und Kombinationen der Politiker stehen im Kontrast zu der verzweifelten Lage an der Front in diesem kalten und nassen Herbst. Die Stimmung in den Dörfern wurde immer ungeduldiger. Die Rechtssozialisten plädierten dafür, dass die Bauern die Wahl der «Konstituierenden Versammlung» abwarten sollten. Die Bolschewiki forderten die sofortige Übertragung des Bodens an die Bauernkomitees. Die Parolen von «Frieden, Brot und Land» brachten die Masse der Bauern auf die Seite der Sowjets. Im Oktober war die Bühne frei für den letzten Akt des revolutionären Dramas.

Entgegen einem weit verbreiteten Vorurteil ist Revolution nicht mit Aufstand gleichzusetzen. Die Arbeit der Revolution bestand zu neun Zehnteln darin, die entscheidende Mehrheit der Arbeiter und Soldaten durch geduldige politische Arbeit zu gewinnen, was Lenin mit seiner Losung auf den Punkt brachte: «Geduldig erklären!»

Die Hauptstossrichtung der bolschewistischen Propaganda und Agitation richtete sich nicht gegen die rechten Arbeiterführer, sondern gegen den Klassenfeind – die Monarchie, die Grossgrundbesitzer, die Kapitalisten, die Schwarzhundertschaften (Faschisten) und die liberal-bürgerlichen Minister in der Koalitionsregierung.

Bolschewistische Mehrheit

Im Oktober hatten die Bolschewiki eine klare Mehrheit in den Sowjets. Trotzki bestand darauf, dass der Zeitpunkt des Aufstands mit der Eröffnung des Sowjetkongresses zusammenfallen sollte, auf dem die Bolschewiki die Mehrheit im Exekutivkomitee gewinnen und somit mit der vollen Autorität der Sowjets, die die entscheidende Mehrheit der Gesellschaft darstellten, handeln konnten.

In jeder Revolution wird ein Punkt erreicht, an dem sich die Frage der Macht offen stellt. In diesem Stadium geht die revolutionäre Klasse entweder zu einer entschlossenen Offensive über, oder die Gelegenheit ist vertan und kehrt vielleicht für lange Zeit nicht wieder. Die Massen können nicht ewig in einem Zustand der Bewegung gehalten werden. Wenn die Chance vertan ist und die Initiative an die Konterrevolution übergeht, dann folgen unweigerlich Blutvergiessen, Bürgerkrieg und Reaktion.

Das ist die Erfahrung jeder Revolution. Wir haben es in der Zeit von 1918-23 in Deutschland und in Spanien von 1931-37 gesehen. In beiden Fällen bezahlte die Arbeiterklasse für die Verbrechen der Führung mit einer furchtbaren Niederlage, den faschistischen Diktaturen Hitlers und Francos und dem Zweiten Weltkrieg, der beinahe zur Zerstörung der Zivilisation geführt hätte.

Die Bedeutung der Führung ist so gross, dass das Schicksal der Russischen Revolution letztlich von zwei Männern bestimmt wurde – Lenin und Trotzki. Die anderen Führer der Bolschewiki – Stalin, Kamenjew, Sinowjew – schwankten immer wieder unter dem Druck der «öffentlichen Meinung» der Mittelklassen. In Wirklichkeit sind das die Vorurteile der oberen Schichten der Mittelklassen, der Intelligenz und der gebildeten liberalen Führer, die sich als Sozialisten ausgaben. Diese Führer repräsentierten die ersten verwirrten, unförmigen Bestrebungen der Massen, auf dem kürzesten Weg einen Ausweg zu finden.

Brutale Täuschung

Doch die Arbeiter und Bauern lernten durch die Erfahrung, dass diese angebliche Abkürzung eine brutale Täuschung war. Diese Erfahrung, zusammen mit der richtigen Politik, Strategie und Taktik von Lenin und Trotzki, bereitete den Boden für den massiven Meinungsumschwung in Richtung Bolschewismus. Dies wäre niemals möglich gewesen, wenn die Linie der Versöhnler akzeptiert worden wäre.

Lenin wurde von den Feinden des Bolschewismus ständig des «Sektierertums» bezichtigt – und von einem Teil der bolschewistischen Führung, der eine «breite linke Front» mit den Menschewiki und den SR anstrebte und Angst hatte, «isoliert» zu werden. Diese Angst war nach den Erfahrungen des Julis noch stärker ausgeprägt. Mit Ausnahme von Lenin und Trotzki (der sich in der Zeit der Reaktion während des Sommers zusammen mit einer wichtigen Gruppe parteiloser Marxisten, den Meschrayonziki, den Bolschewiki anschloss) befürworteten die meisten prominenten Bolschewiki die Teilnahme an der «Demokratischen Konferenz» und sogar an dem auf dieser Konferenz eingerichteten vermeintlichen «Vorparlament» – einem «Parlament» ohne jegliche Befugnisse, das von niemandem gewählt wurde und nur sich selbst repräsentierte.

Die alten Parteiführer spiegelten die Vergangenheit der Arbeiter und Bauern wider, nicht ihre Gegenwart oder ihre Zukunft. Schliesslich verliessen die Bolschewiki demonstrativ das «Vorparlament», unter dem allgemeinen Beifall der Arbeiter und Soldaten – und dem Entsetzen und der Empörung der Versöhnler.

Es war vor allem Trotzkis Arbeit zu verdanken, dass die Petrograder Garnison für die bolschewistische Sache gewonnen wurde. Trotzki nutzte das revolutionäre Militärkomitee, das von der reformistisch geführten Exekutive des Sowjets eingesetzt worden war, um die Arbeiter zu bewaffnen zur Verteidigung gegen die Reaktionäre. Die Arbeiter in den Waffenfabriken verteilten Gewehre an die Rotgardisten. Massenversammlungen, Demonstrationen und sogar Militärparaden wurden offen in den Strassen Petrograds abgehalten.

Die Vorbereitungen für den Aufstand waren keineswegs das Werk einer winzigen, geheimen Gruppe von Verschwörern, sondern erforderten eine massive Beteiligung von Arbeitern und Soldaten.

John Reed berichtet in seinem berühmten Buch Zehn Tage, die die Welt erschütterten anschaulich von diesen Massenversammlungen, die zu jeder Tages- und Nachtzeit stattfanden und auf denen Bolschewiki, linke SR, gerade von der Front zurückgekehrte Soldaten und sogar Anarchisten sprachen. Selbst während der Februarrevolution hatte es nur wenige Versammlungen dieser Art gegeben. Und alle sprachen mit einer Stimme: «Nieder mit Kerenskis Regierung!», «Nieder mit dem Krieg!», «Alle Macht den Sowjets!»

Revolutionäres Petrograd

Die Machtbasis der Provisorischen Regierung war praktisch auf ein Minimum geschrumpft. Selbst die konservativen Regimenter, die von der Front abgezogen wurden, liessen sich von der Stimmung im revolutionären Petrograd anstecken. Die Unterstützung für die Provisorische Regierung in der Hauptstadt brach sofort zusammen, als die Arbeiter in Bewegung traten. Der Aufstand in Petrograd verlief praktisch unblutig.

Einige Jahre später drehte der berühmte sowjetische Regisseur Sergej Eisenstein einen Film mit dem Titel Oktober, der eine berühmte Szene der Erstürmung des Winterpalastes enthält, bei der es zu einigen Unfällen kam. Damals gab es mehr Tote und Verletzte als bei dem eigentlichen Ereignis! Die Propaganda der Bourgeoisie gegen die Oktoberrevolution ist eine grobe Geschichtsverfälschung. Die eigentliche Machtergreifung verlief reibungslos und mit sehr wenig Widerstand. Die Arbeiter, Soldaten und Matrosen besetzten ein Regierungsgebäude nach dem anderen, ohne einen Schuss abzugeben. Wie war das möglich? Noch wenige Monate zuvor schien die Position von Kerenski und der Provisorischen Regierung unangreifbar zu sein. Doch in der Stunde der Wahrheit fand sie keine Verteidiger. Ihre Autorität war zusammengebrochen. Die Massen liessen sie im Stich und liefen zu den Bolschewiki über.

Der Gedanke, dass all dies das Resultat einer raffinierten Verschwörung einer winzigen Gruppe war, ist einer Polizeimentalität würdig, hält aber einer wissenschaftlichen Analyse nicht einen Augenblick stand. Der überwältigende Sieg der Bolschewiki auf dem Sowjetkongress unterstreicht die Tatsache, dass die rechten reformistischen Führer ihre gesamte Unterstützung verloren hatten. Die Menschewiki und die SR gewannen nur einen Zehntel des Kongresses – insgesamt etwa 60 Personen. Die Sowjets stimmten mit grosser Mehrheit für die Machtübernahme.

Lenin brachte zwei kurze Dekrete über den Frieden und das Land ein, die vom Kongress einstimmig angenommen wurden, der auch eine neue zentrale Behörde wählte, die er «Rat der Volkskommissare» nannte, um den bürgerlichen Ministerjargon zu vermeiden. Die Macht lag nun in den Händen der arbeitenden Bevölkerung.

Ein neuer Oktober

75 Jahre später scheint sich der Film der Geschichte rückwärts abzuspielen. Die sowjetische Arbeiterklasse hat einen schrecklichen Preis für die Verbrechen des Stalinismus gezahlt. Der Zusammenbruch des bürokratischen Regimes war der Auftakt zu einem Versuch, zum Kapitalismus zurückzukehren. Doch wie Lenin zu sagen pflegte: «Die Geschichte kennt alle Arten von Transformationen». Auf dem kapitalistischen Weg gibt es keine Zukunft für die Werktätigen.

Aufgrund ihrer Erfahrungen werden die Arbeiter der ehemaligen UdssR diese Tatsache begreifen. Die alten Ideen, Programme und Traditionen werden wiederentdeckt werden. Es wird die Grundlage für eine Neuauflage der Oktoberrevolution auf einer qualitativ höheren Basis gelegt werden, nicht nur in der ehemaligen Sowjetunion, sondern auf der ganzen Welt.